Responsive image
Franz Schubert, Robert Schumann, Johannes Brahms, Richard Strauss

Lieder Recital

Nathan Berg, Julius Drake

Atma/Musikwelt ACD22571
(67 Min., 5/2007) 1 CD

Ein Kunstlied-Recital, das Aufmerksamkeit verdient: Der kanadische Bassbariton Nathan Berg, hierzulande wohl vor allem als Oratoriensänger bekannt (seine edle, kernige Stimme ziert unter anderem William Christies "Messiah"-Einspielung bei harmonia mundi), bietet ein abwechslungsreiches Programm, in dem er sein Können auf breiter Front zur Geltung zu bringen versteht. Schuberts stimmungsvolle Miniatur "Im Abendrot" und Strauss' hoffnungsvoll-luzide Abendhymne "Morgen!" rahmen, von Berg in zartem, aber niemals substanzlosen Piano zelebriert, die Liederfolge. Dazwischen hat Berg ausreichend Gelegenheit, auch die ganze Kraftfülle, gelegentlich gar die wilde Rauheit seines Materials effektvoll einzusetzen: Schuberts aufgewühltes Selbstporträt "Der Strom" reißt den Hörer energisch mit sich fort, Brahms' "Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete" wächst in seinem Verlauf mehr und mehr zu einer monumentalen Größe, wie sie der markanten paulinischen Theologie durchaus würdig ist. In Schuberts "Erlkönig" gestaltet Berg die drei Rollen des Vaters, des Knaben und des Erlkönigs mit drei deutlich unterschiedlichen Stimmen, wobei er den bösen Herrscher der Elementarwesen unverständlicherweise fast bis zur Lächerlichkeit verharmlost: Er verleiht ihm ein Timbre, dass stark an den Matrosen Snorre aus "Wickie und die starken Männer" erinnert. Abgesehen von diesem kleinen Ausrutscher begeistert Berg jedoch permanent durch das mühelose Zusammenspiel zwischen ungebrochener Freude an der Entfaltung, der schieren Wucht und auch der filigranen Zartheit seiner Stimme einerseits und nie versiegender Lust an differenziertester textlich-melodischer Gestaltung andererseits. Ein Liedsänger, der Beachtung verdient.

Michael Wersin, 10.10.2009



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik und Trauer: Das passt gut zusammen. Im Requiem oder Trauermarsch, in Klagegesängen und Friedhofsmusiken, in Elegien und Nänien fand die tiefe Emotion durch die Jahrhunderte hindurch immer wieder wechselnden Ausdruck. Es ist daher wohl keine Überraschung, dass im gefühlsheißen Russland des 19. Jahrhunderts die Trauer besonders bittersüß in Kammermusikwerken ausgekostet wurde – und andere mit ihr infizierten. Als Peter Tschaikowski 1882 sein Klaviertrio in a-Moll im Gedenken an den […] mehr »


Top