Die 1969 in Kansas geborene, irischstämmige Mezzosopranistin Joyce DiDonato lässt mit ihrem Rossini-Album Erinnerungen wach werden: Erinnerungen an jene Zeit, als ihre Landsmännin Marilyn Horne mit einzigartiger Geläufigkeit und gewaltigem Stimmumfang glorreich das Belcantofach beherrschte. Es ist aufregend – Joyce DiDonato beherrscht die Klaviatur der atemberaubenden vokalen Virtuosität im Dienste des Ausdrucks ebenso vollkommen wie ihre große Vorgängerin. Ihre Koloraturen sind makellose Perlenketten, ihre Spitzentöne faszinieren ebenso wie die kraftvoll-körperhafte Tiefe. Und sie versteht es, mit perfekt ausgestalteten Kantilenen das Ohr des Hörers zu umschmeicheln und bei Bedarf auch weite Sprünge in die hohe Lage förmlich explodieren zu lassen. Kurzum: Sie hat’s einfach drauf, und sie wandelt mit ihrem Arienrecital ganz zu Recht auf den Spuren der großen Rossinimuse Isabella Colbran, jener legendären Spanierin, die den Meister 1822 ehelichte. Joyce DiDonato vermag einen lebendigen Eindruck zu vermitteln von der Faszination, die von solchen Belcantofeuerwerken in jener goldenen Ära des Gesangs einst ausging. Sie ist in dieser Hinsicht derzeit eigentlich nur mit ihrem männlichen Kollegen Juan Diego Flórez vergleichbar.

Michael Wersin, 25.11.2009



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