home

N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



Responsive image
Ludwig van Beethoven, Erich Wolfgang Korngold

Violinkonzerte

Renaud Capuçon, Rotterdamer Philharmoniker, Yannick Nézet-Séguin

Virgin Classics/EMI 694 5890
(71 Min., 7/2009) 1 CD

Frisch verheiratet nahm der Franzose Renaud Capuçon im Sommer seine beiden Lieblingskonzerte in Angriff. Das macht nachdenklich und erklärt einiges: Nachdenklich macht einerseits die Kombination des dauerbeschwipsten Opus 35 von Korngold mit dem Meisterwerk Opus 61 von Beethoven, das 1806(folgende) nicht nur die Gattung des Solokonzerts um Meilen nach vorn gebracht hat, sondern gleichzeitig in Aufbau wie innerer Haltung so individuell ist, dass es Spätgeborenen keine Chance zur Kopie gab – schon gar nicht einem Sorgenlos-Komponisten wie Korngold. Erklären lässt sich zum anderen, warum Capuçon, trotz bester manueller Ausstattung, dem nun wirklich tausendfach eingespielten Beethovenkonzert an keiner Stelle irgendetwas Neues, Eigenes abringt: Des Ehemanns Gedanken weilten wohl noch woanders. Das ist reine Spekulation, gewiss, aber durchaus freundlich gemeint. Denn natürlich kann ein so guter Geiger wie Capuçon mit Beethoven mehr anstellen, als ihn einfach so runterspulen, wie er es hier tut: Engagiert zwar von der Haltung her und auch mit einem wunderbar schimmernden Ton, aber ohne wirklich einsichtige Lesart. Die genauen Artikulationsvorschriften etwa im Larghetto, das gebundene Staccato, das der Klangrede hier erst ihren Sinn gibt, spielt er mal so, mal so, die langen, dünn gestochenen Vorschlagsketten nicht en passant, wie gemeint, sondern ebenso betont wie Hauptnoten etc. etc. Unerheblich, ob man den genauen Text für sakrosankt hält oder nicht: Wer ihn anders liest als wörtlich, sollte das hörbar begründen. Auch dem üppig-wuchernden Konzert von Korngold hätte größere Disziplin gut getan. Das Rotterdamer Orchester unter Capuçons Freund Nézet-Séguin spielt auf vergleichbarer Wellenlänge: Es klingt gut, doch nicht überzeugend.

Raoul Mörchen, 12.12.2009



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Beim Namen Galilei denkt man sofort an den genialen Mathematiker und Astronomen Galileo Galilei, der mit seiner exakten Messmethodik die modernen Naturwissenschaften maßgeblich mitbegründete. Doch zur Familie Galilei gehörten auch zwei bedeutende Musiker: Galileos Bruder Michelangelo Galilei und der gemeinsame Vater Vincenzo Galilei. Beide waren hervorragende Lautenisten, Vincenzo setzte sich auch intensiv mit den physikalisch-akustischen Grundlagen der Musikproduktion auseinander und […] mehr


Abo

Top