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Invisible Light

Michel Bisceglia

Prova Records/New Music Distribution PR 0909-CD10
(56 Min., 7 u. 8/2009) 1 CD

Auch wenn Michel Bisceglia gemeinsam mit dem DJ Buscemi 2008 für ein Blue-Note-Album einen Ausflug in populärere Gefilde wagte: Der in Belgien geborene Sohn italienischer Eltern ist eher feingeistiger Traditionalist denn Lounge-Salonlöwe. Bisceglia hält nichts davon, mit der Tür ins Haus zu fallen – und das, obwohl er auf seiner Trio-Einspielung "Invisible Light" mit dem geheimnisvoll dahinschleichenden Auftakt "Floating" quasi einen Köder für alle E.S.T.-Fans auslegt.
Aber die darauf folgenden Stücke zeigen etwas anderes: Einen, der mit allen Wassern der verschiedenen Jazzpiano-Strömungen seit Bill Evans gewaschen ist und mit einem eigenen, ruhigen Ansatz mal Chick Corea verlangsamt ("Esperanza"), mal Thelonious Monk aberwitzig beschleunigt ("Speed of Light") oder sich ergreifend vor Charlie Haden verbeugt ("First Song" und Mick Nocks "Dark Light" sind die einzigen beiden Fremdbearbeitungen auf der CD). Bassist Werner Lauscher (was für ein treffender Name!) und Schlagzeuger Marc Léhan sekundieren kongenial – zurückgenommen, aber mit einer gewissen Tiefenwirkung.
Dass das letzte Stück der CD dem russischen Kinopionier Dziga Vertov gewidmet ist, kann man als Fall von Cross-Promotion bezeichnen. Denn parallel zu "Invisible Light" bringt Bisceglia seine Vertonung des Vertov-Films "The Man with the Camera" heraus. Dennoch: Wie Filmmusik klingen Bisceglias Kompositionen auf "Invisible Light" nicht. Dafür sind sie zuweilen zu spröde (wie die abstrakten Versenkungen "Prova 21" oder "Prova 31") oder fordern den Hörer – bei aller vermeintlichen Unverbindlichkeit in gewissen Fällen – zu sehr zu genauerem Hinhorchen auf. So soll es ja auch sein.

Josef Engels, 13.02.2010



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