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The Observer

Jon Irabagon

Concord/Universal 7231319
(61 Min., 5/2009) 1 CD

Im Ton des Altsaxofonisten schwingt viel von Charlie Parker und Sonny Stitt, aber auch ein Hauch von Stan Getz und Lee Konitz. Klar und fest können seine Töne klingen, aber auch spitz, messerscharf und im Vibrato verhangen. Nachdem er mit frechem Postbebop – er nannte es "terroristischen Bebop" – des Quartetts "Mostly Other People Do the Killing" hatte aufhorchen lassen, begibt er sich mit "The Observer" in die Mitte der breiten Jazzstraße. Für sein Debüt bei einer internationalen Plattenfirma, dem Mainstream-Label Concord, ersetzte er seine eingespielte Band durch die erstklassigen Routiniers Kenny Barron am Klavier, Rufus Reid am Kontrabass und Victor Lewis am Schlagzeug –aber die sind alles andere als frech. Sie schaffen dem hochtalentierten Gewinner der Thelonious Monk Competetition 2008 eine swingende Basis, und wenn der Solist zurücktritt, brillieren sie mit ihren Soli. Das geschieht auf sehr hohem Mainstream-Niveau, und Irabagon besitzt so viel Individualität, dass er auch in dieser Umgebung eigenständig bleibt und weit davon entfernt ist, angelernte Phrasen wiederzugeben. Er hat aus dem Ergebnis seiner Studien schon einen eigenen Ton geformt, und vor allem in den hohen Registern intoniert er klar und präzise wie nur wenige. Dennoch bleibt ein zwiespältiger Eindruck, denn der Newcomer könnte eigentlich mehr. Andererseits erscheinen nur selten Mainstream-Scheiben von diesem hohen Niveau. Das Titelbild der CD weckt ähnlich zwiespältige Gefühle. Dass Jon Irabagon hierfür ins Stelenfeld des Berliner Mahnmals für die Opfer des Holocaust platziert wurde, ist bestenfalls gedankenlos. Die Gedenkstätte sollte eigentlich keine Kulisse für Werbeaufnahmen sein.

Werner Stiefele, 27.02.2010



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