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Joseph Haydn

Klaviersonaten

Evgeni Koroliov

Hänssler Classic/Naxos PH10002
(79 Min., 2/2009) 1 CD

Wie Swjatoslaw Richter ging auch Evgeni Koroliov durch die Heinrich-Neuhaus-Schule. Was aber nicht das einzige gemeinsame Band zwischen ihnen ist. Nach Koroliovs zweiter Einspielung mit jetzt fünf Klaviersonaten von Joseph Haydn muss man endgültig diagnostizieren, dass er ein entfernter Verwandter von Richter ist. Denn bei beiden ist Haydn nicht mehr ein Komponist seiner Zeit. Vielmehr schwingt das später Kommende mit, ist Franz Schubert bereits ganz nahe. Am deutlichsten wird das im Allegretto der zweisätzigen g-Moll-Sonate, die Anfang der Sechzigerjahre zu den ersten, großen Schallplattenwürfen von Richter gehörte. Damals – wie heute bei Koroliov – verwandelt sich das eingeschobene Trio in ein Moment Musical, in das eine bittersüße Lieblichkeit mit romantischer Empfindsamkeit hineinweht. Und dies nun mit nahezu identischen Tempi und Dynamisierungen.
Diese nie auf den schnellen Effekt, sondern auf die organisch sich entwickelnde Mitteilungskraft setzende Interpretationshaltung Koroliovs macht ihn denn auch inzwischen zu einer Art Sonderling zwischen all den Pianisten der jüngeren Generation, die Haydns musikalische Logik funkelnd brillant aus dem Geist der aristokratischen Gesellschaftsmusik verstehen. Mit seiner Skepsis an solchen Moden ist Koroliov zwar kein Mann fürs marketinggerechte Scheinwerferlicht. Dafür entreißt er eben sinnstiftend emotional selbst die berühmte Es-Dur-Sonate Hob XVI:52 ihrer vertrauten Künstlichkeit. Irgendwie scheinen Russen ein spezielles, ja vielleicht das Haydn-Gen zu besitzen.

Guido Fischer, 13.03.2010



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