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Felix Mendelssohn Bartholdy

Klaviertrios

Itzhak Perlman, Yo-Yo Ma, Emanuel Ax

Sony Classical 88697 52192-2
(60 Min., 3/2009) 1 CD

Schön, wenn so viele gute junge Musiker neu zu entdecken sind wie zurzeit. Schade allerdings, dass wir Gefahr laufen, die älteren darüber aus den Augen zu verlieren. Stars von einst wie Itzhak Perlman, von dem – wenn nicht alles täuscht – seit Jahren schon keine neue Platte mehr erschienen ist. Diese hier ist eine große Ausnahme, sie verdankt sich dem Ruhm eines Anderen, des Cellisten Yo-Yo Ma. Ma ist als US-Amerikaner chinesischer Herkunft noch immer gut zu verkaufen, vor allem wohl auf dem florierenden asiatischen Markt. Ein ausgezeichneter Musiker ist er eh – doch das ist eben auch Itzhak Perlman. Ma also hat vermutlich diese unverhoffte Allianz gleich dreier Alt-Stars überhaupt erst möglich gemacht: Gemeinsam mit Perlman und dem Pianisten Emanuel Ax lässt er Erinnerungen wach werden an das legendäre Klaviertrio Ma-Ax-Stern, das nach dem Tod von Isaac Stern im Jahr 2001 ein Ende fand – und nun mit Perlman wiederauferstanden ist. Das CD-Debüt mit den Trios von Mendelssohn sorgt für glückliche Ohren und strahlende Gesichter. Dieser Mendelssohn klingt zwar stark nach Brahms, kompakt, dicht, intensiv, sehr dynamisch, doch er klingt gut so: Nichts geht verloren, weil die drei nirgendwo den Bogen überspannen. Und darum klingt dieser Mendelssohn eben auch stark nach Mendelssohn. Die Scherzi beider Trios etwa haben auch in den Händen von Perlman, Ax und Ma die Leichtigkeit, den Witz, das Huschende, das so typisch und charakteristisch ist für diesen Komponisten. Es ist dabei das hauptsächliche Verdienst von Pianist Emanuel Ax, dass diese Sätze so flink laufen und so viel Elan und Esprit verströmen. Sein bei aller Kraft ganz ungezwungenes, entkrampftes Klavierspiel ist der eigentliche Motor der Trios, es reißt mit, ohne zu eilen, es ist virtuos, ohne sich aufzubauschen. Perlman schmeichelt seiner Geige wie eh und je, spielt warm und weich und selbstbewusst. Yo-Yo Ma schließlich hält sich bescheiden zurück, füllt den Trio-Klang eher, als dass er ihm ein eigenes Timbre geben wollte. Das haben die Alten vielen Jungen eben voraus: Sie müssen nicht mehr beweisen, was sie drauf haben.

Raoul Mörchen, 10.04.2010



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