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N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



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54

John Scofield, Vince Mendoza, Metropole Orkest

Emarcy/Universal Music 2714450
(64 Min.)

Die zu einer Platte unter eigenem Namen führende Zusammenarbeit mit größeren Ensembles kann man bei John Scofield an einer Hand abzählen. Streng genommen wären da nur zwei Aufnahmen zu erwähnen: der 1996 erfolgte Tentett-Ausflug "Quiet" sowie die vor drei Jahren erschienene CD "This Meets That", auf der der Gitarrist seine Band um einen vierköpfigen Bläsersatz erweiterte. Den Titel der Kollaboration mit dem niederländischen Metropole Orchestra darf man vor diesem Hintergrund als Anspielung verstehen: Mit gleich 54 Musikern muss sich Scofield auseinandersetzen. Obwohl Auseinandersetzung natürlich das falsche Wort ist – schließlich ist es die Spezialität des Metropole-Chefs Vince Mendoza, die musikalischen Eigenarten von Fremdkompositionen mit einigem Verstand, Witz und Geschmack so für sein Orchester aufzuarbeiten, dass der Kern bei aller Prachtentfaltung klar erkennbar bleibt.
Und das funktioniert auch bei den Stücken von Scofield, mit dem Mendoza schon lange musikalisch verbunden ist, zum großen Teil unerwartet gut. Der Einstieg "Carlos" vom 95er Scofield-Album "Groove Elation" findet eine feine Balance zwischen trockenem Latin-Groove, Big-Band-Schmiss und West-Side-Story-Anklängen. Überraschend auch, wie gut die Hip-Hop- und Funk-Versatzstücke der "Überjam"-Nummer "Polo Towers" mit dem schlank arrangierten Orchester zusammenpassen. Nur an zwei Stellen finden Scofield und die auch als Solisten hellwachen Niederländer nicht recht zueinander. Die beiden Balladen, Mendozas "Say We Did" und Scofields "Honest I Do", geraten zu arg streicherschwangeren Angelegenheiten, in denen die Gitarre zum Orchesterstimmchen verkommt. John Scofield weiß wohl schon, weshalb er größeren Musikerversammlungen misstraut.

Josef Engels, 05.06.2010



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