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N° 1253
14. - 20.05.2022

nächste Aktualisierung
am 21.05.2022



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ACT Signature Edition

Nguyên Lê, Ulf Wakenius, Lars Danielsson, Wolfgang Haffner

ACT/Edel 0060042ACT, 0060052ACT, 0060062ACT, 0060072ACT
(147 Min., 1989-2009, 1981-2008, 1991-2009, 1992-2009)

Mit seiner Signature Edition überrascht ACT, das Jazzlabel des Jahres 2010, mit etwas Besonderem, das sich auf den zweiten Blick als naheliegend und natürlich erweist. Es ist nichts Neues, dass ein Label seine Künstler mit "Best of ..." -Zusammenstellungen vermarktet. Konzernfamilien machen das gern im größeren Rahmen der Labelfamilie. Bei ACT erfährt dieser Ansatz eine etwas andere Ausrichtung. Bei der Signature Edition rückt der Künstler als Gestalter der Auswahl in den Mittelpunkt. Bei der Zusammenstellung hat er freie Hand und darf auch auf Einspielungen jenseits seiner ACT-Bindung zurückgreifen. Die künstlerischen Lebensleistungen der besten ACT-Musiker sollen in ihren wesentlichen Facetten von den Künstlern selbst dokumentiert und definiert werden.
Die erste Signature-Staffel darf mit ihren vier Doppel-CDs als ebenso gelungen wie aufschlussreich gelten. Die prägnant dokumentierten Zusammenstellungen zeitigen in der Art, wie sich die einzelnen Beiträge innerhalb der jeweiligen Edition gegenseitig ergänzen oder miteinander kontrastieren, faszinierend neue Zugänge zum Werk des jeweiligen Künstlers.
Besonders eindringlich ist das bei der Edition des französischen Gitarristen Nguyen Lê der Fall. Sie vermittelt begeisternd das Genie dieses Musikers vietnamesischer Herkunft, wie es sich aus der Quelle seines Erbes nährt, und eröffnet so Zugänge zu seinen so unterschiedlichen stilistischen Hervorbringungen zwischen subtilem Jazz, fernöstlichen Einlassungen und derben Rockklängen.
Die Editionen der beiden Schweden, des Gitarristen Ulf Wakenius und des Bassisten Lars Danielsson, vertreten nicht nur diese beiden, sondern indirekt auch ihren jung verstorbenen großen Freund und überragenden ACT-Künstler, den Pianisten Esbjörn Svensson. Ulf Wakenius bevorzugt Aufnahmen, auf denen er sich mit der akustischen Gitarre ganz auf das Melodische konzentriert, und mit mehreren Svensson-Titeln bezieht er sich explizit auf e.s.t. Lars Danielssons Zusammenstellung kann man als eine faszinierende Suite aus dem Geiste Svenssons verstehen, deren Sätze als musikalische Bilder des skandinavischen Nordens zu hören sind.
Der deutsche Schlagzeuger Wolfgang Haffner ging einen deutsch anmutenden Weg, er ordnete die Abfolge seiner Titel in chronologischer Reihenfolge an. Als einziger der vier Künstler dieser ersten Staffel wählte er ausschließlich Aufnahmen eigener Kompositionen. Als ein ausgesprochen gruppendienlicher und damit nicht vordergründig die Musik bestimmender Schlagzeuger sah er wohl darin den Weg, sein Profil als Musiker und Bandleader zu schärfen. Die dargelegte Bandbreite seiner Stilistiken ist faszinierend – doch irgendwie beschleicht einen bei manchem Titel ein "Déjà-vu"-/"Déjà-entendu"-Gefühl, das einem suggeriert, dass es da irgendwo doch irgendwie noch etwas Zwingenderes gäbe. Aber vielleicht schlägt da ja nur das alte Vorurteil gegenüber Schlagzeugern durch, schließlich behauptet sich auch Signature Edition 4 glänzend in dieser bemerkenswerten Reihe.

Thomas Fitterling, 12.06.2010



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