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Remembrance

Ketil Bjørnstad

ECM/Universal 2732490
(51 Min., 9/2009)

Es fließt zusammen, was zusammengehört. Diese Abwandlung des viel bemühten Brandtzitates suggeriert Ketil Bjørnstads neuestes Album mit scheuer und doch heiterer Melodieseligkeit. Schon seit fast 40 Jahren arbeitet der Kultautor und einstige klassische Pianist Bjørnstad mit dem Schlagzeuger Jon Christensen zusammen. Der spielte einst in Keith Jarretts europäischem Quartett mit Jan Garbarek und dann in Arild Andersens Band Masqualero ein begeisternd leichtfüßiges, von Jack DeJohnette inspiriertes Schlagzeug. Im Duo mit Bjørnstad dagegen ist er mit Klängen zu hören, die – ähnlich wie Paul Motians Spiel die New Yorker Großstadt-Impulse ins Gelassene transzendiert – ihrerseits die Strömungen des von Fjorden durchzogenen Nordens abstrahieren. Manfred Eicher hatte die Idee, das Duo Bjørnstad-Christensen mit dem Saxofonisten Tore Brunborg, Christensens einstigem Partner bei Masqualero, zu kombinieren. In einer Art Suite, schlicht Remembrances I-XI betitelt, entwickelt sich eine Musik, die ähnlich der Meeresbrandung unterschiedlich sanft in fließender Bewegung ist. Virtuoses Flirren ist ihr fremd, quasi entschleunigt ist sie voller lyrischer Harmonie und mal melancholischer mal offen freudig klar sangbarer Motivik. Zurückhaltende, oft von einfacher Pendelharmonik getragene Klavierklänge, verhalten inbrünstige, nie aufdringliche Saxofonlinien und rhythmische Klangabstraktionen fließen wunderbar zusammen und behaupten dabei doch ihr nachklingendes Eigenleben. Eine Musik ist da entstanden, die beim Zuhörer immer wieder aufs Neue Erinnerungsassoziationen freisetzt, ohne dass die musikalische Wahrnehmung durch diese überwuchert würde, ein kleines Meisterwerk des vielfachen Flusses eben.

Thomas Fitterling, 24.07.2010



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