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N° 1220
25.09. - 01.10.2021

nächste Aktualisierung
am 02.10.2021



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Robert Schumann

Klavierquartett und -quintett

Claire-Marie Le Guay, Mandelring Quartett

Audite/Edel 1092574ADT
(56 Min., 5/2009)

Das Mandelring Quartett war nominiert für einen Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik (es ging um die Gesamteinspielung von Schostakowitschs Streichquartetten), unterlag dann aber, weil das alles kammermusikalisch zwar ausgefeilt ist, aber auch mit einer Art emotionalem "Begrenzer" gesattelt: Die Musik, die zwischen Aufschrei und Verstummen oszilliert, kann man mit philharmonischem Ebenmaß eben nicht ausloten. Nun leben zwar Robert Schumanns beide großen Klavier-Kammermusiken nicht in vergleichbaren Extremen – aber auch sie klingen in dieser Aufnahme seltsam neutral, "gut gespielt", ohne je den Hörer zu packen. Und auch das hat mit dem Feinschliff zu tun, der wahrscheinlich sogar Beethovens "Große Fuge" zur Fortsetzung des Barocks mit etwas anderen Mitteln machen würde. Zumal im Quartett stößt das falsche "Ebenmaß" auf: Die Tempi sind relativ rigide, aber auch Accellerandi und Ritardandi wirken irgendwie mechanisch. Ausbrüche haben mehr äußerlichen Druck als innere Notwendigkeit, und selbst wenn "schön" gespielt wird wie im Andante cantabile, scheint das am Hörer in weiter Ferne vorüberzufließen.
Etwas besser ergeht es dem Quintett, das mehr auf äußerliche "Klangpracht" als auf Binnenkonflikte abhebt. Und dennoch: Auch hier lässt sich der Eindruck von einer gewissen Klangneutralität nicht abschütteln. Ein sehr prosaischer Zug durchweht diese Musik, die doch eigentlich zum Poetischsten zählt, was die Romantik hervorbrachte. Und so ehrenhaft es sein mag, den Klang nicht mit pseudo-romantischem Sfumato auszuwattieren – hier geriet er doch zu hart (der Hörer hat manchmal den Eindruck, mit dem Holzscheit eins übergebraten zu bekommen). Den Trauermarsch samt "verklärendem" Un poco largamente hat der Rezensent noch nie so nüchtern gehört, folglich ernüchternd. Und geradezu schmerzhaft im anschließenden Agitato bemerkt er, dass das Klavier ein Schlagzeug ist – die Hämmerchen hacken direkt auf die Ganglien ein. Nein, man muss gar nicht an die bahnbrechende Aufnahme Glenn Goulds beziehungsweise (im Quintett) Leonard Bernsteins mit dem Juilliard Quartet denken, um diese Neuaufnahme für ziemlich überflüssig zu halten ...

Thomas Rübenacker, 24.07.2010



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