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Letztes Glück. Lieder der deutschen Romantik

SingerPur

Oehms Classics/harmonia mundi OC 824
(65 Min., 2009)

Vor vier Jahren sendete SingerPur ein "SOS – Save Our Songs" in die Herzen respektive Ohren deutscher Volkslied-Empfänger. Jetzt, mit ihrer CD "Letztes Glück", könnte einem ganz blümerant werden: Fand das SOS kein Gehör? Schlägt jetzt doch das letzte Stündlein deutschen Liedguts? Nein, im Gegenteil. So wie Claudia Reinhard mitsamt ihren fünf Herren sich um das Genre kümmert, müsste die Platte eigentlich heißen: "Höchstes Glück!". Denn vor solchem Wohlklang, solcher Intonationsreinheit, solch schlankem Timbre und Phrasierungsschmelz möchte man schlicht niederknien. (Da fallen auch kleine Tremolo-Spitzen der Sopranistin in Mendelssohns Sechs Liedern op. 41 nicht ins Gewicht). Zwar geht es dem Sextett diesmal nicht eigentlich ums Volkslied. Doch die hier versammelten vier- und fünfstimmig gesetzten A-cappella-Kunstlieder sind entweder direkt, wie Silchers "Loreley" und "In einem kühlen Grunde", im "Volkston" gesetzt oder aber mehrheitlich so eingängig, dass sie kaum strikt von jenem Genre abzugrenzen sind. Mendelssohns "Abschied vom Walde", Schuberts "Nacht", Schumanns "Rose stand im Tau", Brahms' "Abendständchen", Regers "Nachtlied" oder Strauss' "Taumlicht": Auch wer keine romantische Ader hat, muss hier zumindest den geschmeidigen und gleichzeitig geradlinig-kitschfreien Ensembleklang von SingerPur bewundern. Den romantischen Schwärmer aber, der empfänglich ist für jene spätherbstlich-existenzielle Melancholie, die Brahms' titelgebende Kalbeck-Vertonung auszeichnet, erwartet eine subtile Droge, die ihn nur schwer wieder in die "geschäft'ge Welt" entlassen will.

Christoph Braun, 18.09.2010



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