Responsive image

Listen To Your Woman

Nils Wogram Root 70

Nwog Records/AL!VE 3844213
(74 Min., 1/2010)

Es gibt Verrückte und Verrücke. Nils Wogram ist ein mit langem Atem ausgestatteter verrückter Verrücker, der mit der Kraft seiner Lungen und Zirkularatmungstechnik sensationell lange Linien bläst und dabei ohne abzusetzen die Quintessenz aus dem farbenprächtigen Posaunenspiel von Duke Ellingtons Tricky Sam Nanton bis zur Beweglichkeit von J. J. Johnson und der Soundvielfalt von Albert Mangelsdorff lebendig macht. Weich kann sein Ton wirken, aber auch glasklar, hart und kantig. Klang und Verlauf der Stücke stecken voller Überraschungen, und überall verschiebt sich etwas. Wogram und Gefährten können wie die alten Meister swingen. Andernorts driften Wogram und der Saxofonist Hayden Chisholm aber auch mit Obertongesang in esoterische Gefilde, aus denen sie sich durch kernige Rhythmen wieder in die Jazzrealität zurückholen lassen. Sie können wunderschöne Melodien blasen, aber auch durch Klangfetzen und Andeutungen mit Matt Penman und Jochen Rückert an Bass und Schlagzeug kommunizieren. Beide sind die geeigneten Partner für alle Verschiebereien, denn auch sie sind überall und nirgends zu Hause. Dabei wirkt nichts von alledem willkürlich oder zufällig. Im Gegenteil: Dieses Quartett hat alle möglichen Wechsel und Verschiebungen, die zwischen frühem Swing, Be- und Post-Bop, Blues, Fusion, Funk- und Rockjazz, Klang- und Stilavantgarde sowie Traditionalisten möglich sind, zu einer wunderbar homogenen, wohlgeordneten Musik vereint.

Werner Stiefele, 18.09.2010



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Ahnengalerie: Im Wien der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat man es schon schwer als Komponist. Mozart, Beethoven, Schubert – übermächtig liegt auf allen Gattungen der Glanz der Heroen, die den klassischen Kanon geschaffen hatten. Was kann man dem noch hinzufügen? Johannes Brahms, dem man oft melancholisches Zaudern unterstellte, setzte sich in Wirklichkeit besonders lange und eingehend mit diesen Vorbildern auseinander, bevor er seinen Beitrag stimmig empfand. So ist sein Werk […] mehr »


Top