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Frédéric Chopin

Lieder

Aleksandra Kurzak, Mariusz Kwiecień, Nelson Goerner

NIFC/Codaex NIFCCD 016
(52 Min., 3 u. 6/2009)

Wie schön: Da gibt es im Chopin-Jahr 2010 nun doch noch eine richtig gute Neueinspielung von Frédéric Chopins Klavierliedern, jener immer etwas stiefmütterlich behandelten Sparte seines Schaffens. Die CD kommt gewissermaßen direkt "aus der Zentrale", nämlich vom "Narodowy Instytut Fryderyka Chopina", dem polnischen Chopin-Institut in Warschau. Ihr opulentes Beiheft ist zweisprachig (Polnisch-Englisch), sodass auch die weniger polyglotten Chopin-Liebhaber jeden Liedtext mitverfolgen und sich außerdem ausführlich über das polnische Kunstlied und Chopins Platz in dessen Geschichte informieren können. Kurzum: eine vorbildliche Edition. Die wäre freilich kaum die halbe Miete, wenn nicht auch die musikalische Qualität eine großartige wäre – glückliches Zusammentreffen: Sie ist es. Der argentinische Pianist Nelson Goerner begleitet die beiden Sänger auf einem Pleyel-Fortepiano von 1848, mit dem er hervorragend umzugehen versteht: Unter seinen flinken Händen erwachen die zahlreichen polnischen Tanzrhythmen zu blühendem Leben. Eine wahre Freude sind zudem auch die Sänger: Der Bariton Mariusz Kwiecień entfaltet beachtliches, dramatisches Potenzial im Schlachtengesang "Wojak", den er gemeinsam mit Nelson Goerner höchst virtuos durchreitet. Noch eindrucksvoller gelingt beiden die Rückkehr des Bräutigams bei bedrohlichem Sturmeswüten in "Narzeczony". Die Sopranistin Aleksandra Kurzak verfügt nicht nur über eine gute Höhe, sondern vor allem auch über eine wunderbar offene, warme tiefe Lage, wie sie gleich am Beginn des Programms im reizenden "Zyczenie" unter Beweis stellt. Alles in allem also eine wahrhaft reife Leistung – eine wirklich schöne CD zum Chopin-Jahr!

Michael Wersin, 02.10.2010



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