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Franz Schmidt

Sinfonie Nr. 4, Intermezzo aus "Notre Dame"

Beethoven Orchester Bonn, Stefan Blunier

MDG 937 1631
(54 Min., 1/2010)

Sie "wirkt", zweifellos, diese Zugabe. Ist sie doch auch – neben dem überwältigenden "Buch mit sieben Siegeln" (dem 1938 noch eine unvollendet gebliebene, unselige "Deutsche Auferstehungs"-Kantate folgte) – das Einzige, was man von Franz Schmidt wirklich kennt. Gleichwohl: Das Puszta-Klischee ist nicht wegzuhören am fünfminütigen "Notre Dame"-Intermezzo, mit dem der 1874 in Preßburg Geborene seiner (deutsch-böhmisch-)ungarische Herkunft die Reverenz erweist. Von weit Tieferem kündet da die 30 Jahre später geschaffene letzte (vierte) Sinfonie. Das gut dreiviertelstündige Werk mit seinen vier nahtlos ineinanderfließenden Sätzen ist eine Art Requiem, das der schwerkranke Komponist 1932/33 für seine im Kindbett verstorbene Tochter schrieb und das er selbst sein "wahrstes und innerlichstes" Werk nannte. "Wahr" auch insofern, als es in keine Stil-Schublade passt. Allein schon der von der Solotrompete zu Beginn vorgetragene Hauptgedanke, aus dem sich die gesamte Sinfonie heraus entwickelt, widerlegt die behauptete prinzipielle Gegnerschaft des spätromantischen Brahms-Adepten zu seinem Jahrgangsgenossen Schönberg. Wichtiger ist der tragische Eindruck und letztlich das "Sterben in Schönheit", das Schmidt hier in Töne zu fassen suchte. Stefan Bluniers Beethoven-Orchester nähert sich dem großen "Passionato"-Eröffnungssatz leider etwas schleppend. Da geht beispielsweise Welser-Möst zupackender und zielgerichteter zu Werke, und auch dessen Londoner Philharmoniker zeigen den kompakteren Ensembleklang. Das Adagio und das Finale hingegen, in dem der Vater der Tochter mit einem katarthischen, Wagner'schen Trauerduktus und betörenden Cellokantilenen – Schmidt selbst war vormals Solocellist der Wiener Philharmoniker – ein letztes Lebewohl sagt, gerät Blunier zu aufwühlenden, einzigartigen Zeugnissen eines lange Gemiedenen. Hoffentlich zählt Schmidts Schaffen bald (wieder) zum sinfonischen Kernrepertoire.

Christoph Braun, 02.10.2010



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