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Heinrich Schütz

Symphoniae Sacrae I

Musica Fiata, Roland Wilson

DHM/Sony Music 88697 52418-2
(87 Min., 02/2009) 2 CDs

Ein Sabbatjahr als Belohnung zum zehnjährigen Dienstjubiläum – so nennt Werner Breig in seinem kundigen Beiheft den Italienaufenthalt, den Heinrich Schütz im Jahre 1628 vom sächsischen Kurfürsten gewährt bekam. Frucht der keineswegs müßig verbrachten Zeit waren die Symphoniae Sacrae, in denen Schütz mit einer bisher ungekannten Vielfalt von unabhängig geführten Instrumentalbesetzungen spielt. Noch vor wenigen Jahren haben Benoît Haller und die Chapelle Rhénane den Aufbruchsgeist dieser Werkgruppe in ihrer Einspielung des zweiten Teils der Symphoniae Sacrae höchst überzeugend eingefangen. Roland Wilsons Interpretation hingegen wirkt trotz des hohen Niveaus der erfahrenen Mitwirkenden, die sich auch in einer deutlich besseren Intonation niederschlägt, als sei sie nicht nach, sondern noch vor einem Sabbatjahr entstanden: Abgesehen vom Tenor Markus Brutscher haben die Interpreten die Tendenz, die Worte eher als getreue Herolde denn als innerlich Betroffene vorzutragen. Zwar gibt es Aha-Effekte wie die Interpretation des "Paratum cor meum". Hier greift Wilson ausnahmsweise zu mit Metallsaiten bespannten Violinen, wie sie Schütz ebenfalls bisweilen verwendet hat und unterstreicht durch deren silbrigen Klang die im Psalm erwähnten Worte "Kythara" und "Psalterium". Andererseits entgehen den Interpreten auch einzelne Feinheiten: Die buchstäblich gemeinten rhythmischen Verwirrungen, die sich Schütz auf das Wort "confundar" einfallen lässt, werden nicht bewusst und lustvoll genug ausgekostet und auch die zentrale Bedeutung des Wortes "suavis" (sanft, süß) in dem mit sanften Blockflöten begleiteten "Jubilate Deo" scheint den Interpreten nicht in vollem Maße aufgegangen zu sein. Wem es mehr um ein Kennenlernen der Werke und perfektes Handwerk als um eine innovative Interpretation geht, dem kann man diese Aufnahme dennoch empfehlen.

Carsten Niemann, 02.10.2010



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