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Ballads

Thomas Siffling, Daniel Prandl

Jazz ‘n’ Arts/Inakustik 0505010
(48 Min., 3 u. 4/2010)

Es gab immer wieder Versuche, deutsches Liedgut in den Jazz zu überführen. Meist ließ man dabei der vermeintlich welken blauen Blume der Romantik mittels blauer Noten und kesser Rhythmik eine Art Facelifting angedeihen – mit den entsprechenden zombiehaften Ergebnissen. Der Trompeter und Flügelhornist Thomas Siffling verfolgt da im Duo mit dem Pianisten Daniel Prandl weitestgehend einen ganz anderen Ansatz. Sie begreifen "Es war ein König in Thule", "Alle Vögel sind schon da" und "Hänschen klein" als Schätze tiefgründigen thematischen Materials und unterziehen es wie ihre drei eigenen Titel und die zwei weiteren Fremdkompositionen unaufgeregten und daher umso eindringlicheren melodisch-harmonischen Explorationen in bester Balladentradition. Thomas Siffling erweist sich dabei als ein Bläsertalent, das auf ganz eigene Weise seinen Chet Baker verarbeitet hat und sich vor einem Till Brönner nicht zu verstecken braucht. Daniel Prandl ist ein hinreißender Pianist, der die neue Innerlichkeit mit zupackender Aussagebereitschaft verbindet und ein Meister der Reharmonisierung ist. Herrlich ergänzen sich die beiden, unterstützen sich intuitiv und spinnen die jeweiligen Gedanken des anderen weiter, dabei machen sie eine bei aller Emotionalität schnörkellose und grundehrliche Musik, die zu Herzen geht. Schade, dass der Bläser bei der Geschichte vom thulischen König nicht allein auf das melodische Material vertraut und die Ernsthaftigkeit seines Diskurses mit verfremdenden Schnickschnack-Effekten unterlaufen zu müssen meint. Dafür aber ist "Hänschen klein" als Ballade vom beginnenden Verlust der Unschuld, der ja im Liedtext eigentlich anklingt, ein kleines Meisterwerk. Und so wünscht man sich, es wäre zur Bewertung noch ein halber Notenpunkt zu vergeben.

Thomas Fitterling, 02.10.2010



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