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N° 1259
25.06. - 01.07.2022

nächste Aktualisierung
am 02.07.2022



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Arthur Honegger

Die Violinsonaten

Laurence Kayaleh, Paul Stewart

Naxos 8572192
(73 Min., 12/2008)

"Das Wichtigste, was das Publikum von einem Komponisten erwartet, ist, dass er tot ist". Das Arthur Honegger zugeschriebene sarkastische Bonmot galt auch für seinen Schöpfer. Auf dem 20-Franken-Schein hat die Schweiz ihren 1892 als Sohn Zürcher Eltern in Le Havre geborenen, zeitlebens Schweizer Staatsbürger gebliebenen Vorzeigekomponisten post mortem bekannt gemacht. Was jedoch nicht bedeutet, dass man viel mehr als "Roi David", "Pacific 231" und die dritte bzw. vierte Sinfonie kennt. Honeggers Kammermusik, insbesondere die vier Violinsonaten, gehören nicht eben zum Standardrepertoire. Das ist zu bedauern, wie nun Laurence Kayaleh und ihr Klavierpartner Paul Stewart, beide Professoren in Montreal, demonstrieren. Honegger kannte die Spieltechniken und Ausdruckspaletten der Geige genauestens, studierte doch schon der 17-Jährige am Zürcher, dann am Pariser Konservatorium, bevor er sich kompositorisch hervortat. Die chronologisch erste und längste, spätromantisch aufblühende Sonate von 1912 kündet reichlich davon – auch wenn der 20-Jährige, der noch kein Mitglied der berühmten "Group de Six" war, dem Werk mit der Angabe "Nr. 0" die eigentliche Anerkennung versagte. In den beiden folgenden, zwischen 1916 und 1919 geschriebenen 'regulären' Werken ist Honegger dann schon näher 'bei sich' und seinem zwischen herber Atonalität, zärtlich-versonnenen Kantilenen und rhythmischem Verve angesiedelten Personalstil. Erst recht in der viertelstündigen d-Moll-Solosonate, in der der politisch interessierte, hochgebildete Humanist 1940 mit einer düster gestimmten Bach-Reminiszenz aufwartet. Das kanadische Duo ist ein kompetenter Honegger-Anwalt. Wobei Kayaleh auf ihrer Guarneri eher eine lyrisch sensible, auf filigrane Schönheit bedachte Saiten-Sängerin als eine mutige Kämpferin in schwierigem, emotional auffahrendem, rhythmisch kantenreichem Gelände ist. Stewart ist da von kernigerem Kaliber, der auch mal, wie im Presto der ersten Sonate, über Gebühr dominiert. Gleichwohl: eine lohnende Platte, zumal sie an einer einzigen Gattung, in nuce sozusagen, Honeggers höchst facettenreiche Entwicklung vergegenwärtigt.

Christoph Braun, 29.01.2011



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Eva Jagun stammt aus einer Kölner Musikerfamilie und lernte zunächst Geige, Flöte, Gitarre und Klavier. Ihre ersten Erfahrungen sammelte sie in diversen Chören und Bands, später studierte sie in Hamburg Musik, seit einigen Jahren lebt sie in Berlin. Dort arbeitet sie als Sängerin wie auch als Geigerin im Studio und auf der Bühne mit einer Vielzahl von Künstlern zusammen, unter anderen mit Nina Hagen oder Dieter Hallervorden. Wichtige Impulse erhielt sie vom kanadischen Jazzbassisten […] mehr


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