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Joan Pla, Josep Pla

Oboenkonzerte

Alfredo Bernardini, Zefiro

dhm/Sony 88697 822162
(73 Min., 12/2008)

Die Geschichte ist nicht immer gerecht. Im Fall der Gebrüder Pla beispielsweise ist nicht nachvollziehbar, warum ihre Kompositionen nicht häufiger zu hören sind. Am Übergang vom Barock zur Klassik – aber deutlich näher bei letzterer – angesiedelt, somit dem galanten Stil zuzurechnen, erweisen sich die hier versammelten Oboenkonzerte als sehr eigenständige, hochkarätige Werke mit einem auffälligen Melodien- und Ideenreichtum. Absolut keine 0815-Ware also, vielmehr extrem virtuose und raffiniert gebaute, keineswegs nur gefällige Konzerte, durchaus anspruchsvolle Unterhaltungsmusik mit kompositorischem Anspruch. Und einem sehr hohen an die Solisten. Schließlich schrieben Joan und Josep Pla diese Stücke in erster Linie für sich selbst, um bei ihren europaweiten Auftritten zwischen Frankreich, England und Italien zu brillieren. Besonders reizvoll sind diese Konzerte jedoch, weil sich zwischen die effektvollen Ecksätze wunderschön einschmeichelnde langsame Sätze mit weit ausgesponnenen Melodielinien fügen, die wie Opernarien wirken.
Das Ensemble Zefiro holt mit beherztem Zugriff und ansteckender Musizierlust alles aus diesen Werken heraus. Für seinen Gründer, den Oboisten Alfredo Bernardini, sind sie ohnehin eine Herzensangelegenheit. Seit vielen Jahren zählt er zu den absoluten Top-Oboisten (auf jeden Fall zu den ersten Drei), sein Ton ist weder spitz und hart wie der von Heinz Holliger, noch verfolgt er Albrecht Mayers Schmuselinie, vielmehr punktet er mit seiner Fülle und Saftigkeit, perfekt zwischen Zirzensik und Innigkeit ausbalanciert. Eine höchst vergnügliche CD also, die viele Hörer verdient.

Michael Blümke, 12.02.2011



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