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Saburi

Cyminology

ECM/Universal 275 3891
(51 Min., 1/2010)

Bei Cyminology findet alte östliche Weisheit und neue westliche Innerlichkeit auf berückende Weise zusammen. Dabei spielt der Klang der Sprache als magisches Wort eine entscheidende Rolle. Es wird beherrscht von Cymin Samawatie, der Sängerin, Komponistin, Dichterin und Leiterin dieses Quartetts, das ein Klaviertrio mit integriertem obligatem Gesang ist. "Saburi" ist das zweite Album dieser Gruppe, die so vielleicht nur im polyglotten Berlin möglich ist: Eine in Deutschland aufgewachsene Iranerin musiziert innig mit einem in Frankreich geborenen und ebenfalls in Deutschland aufgewachsenen Pianisten, einem deutschen Bassisten, und einem aus Delhi stammenden Schlagzeuger. War die Triebfeder für die erste CD der Wunsch, altpersische Poesie in eine aktuelle, vom zeitgenössischen Klavierjazz geprägte Musik zu integrieren, so thematisiert nun das Nachfolgealbum "Saburi" aktuelle, persönliche Befindlichkeiten der Sängerinnen-Komponistin, in denen sich sublimiert und distanziert auch das Verhältnis zum Iran der Gegenwart reflektiert; alle Texte sind im Booklet auf Farsi und Englisch abgedruckt. Zwei Kompositionen stammen vom Pianisten Benedikt Jahnel und eine von Schlagzeuger Ketan Bhatti.
Wie schon zuvor verzaubert Cyminology mit einer tief ernsthaften und dabei gelassenen Natürlichkeit. Nichts wirkt aufgesetzt, die klare, warmtönende Stimme ist ganz integrierter Bestandteil einer Musik, die stark von Ostinati-Elementen geprägt ist und sich dabei mit raffinierter Dynamik und ausdrucksstarker rhythmischer Komplexität zu magischem Gestus steigert; etwas von dem scheint auf, was Albert Camus mit dem Paradoxon kommentierte: "... nichts hat sich verändert und doch ist alles auf wunderbare Weise neu und überwunden." Das verdankt "Saburi" einem gestärkten Vertrauen auf improvisatorische Impulse und ganz konkret dem wunderbar differenzierten Wechselspiel von subtilem Beckeneinsatz und reinem Klang orientalisch anmutender Trommeln. Letztlich spielt ja auch die stimmige Titelanordnung eine wichtige Rolle, die auch darum weiß, wann sich der Spannungsbogen zum Ende neigt – auch wenn auf dem Tonträger noch mehr Platz wäre.

Thomas Fitterling, 19.02.2011



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