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N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



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Ludwig van Beethoven

Diabelli-Variationen op. 120, Sechs Bagatellen op. 126

Gary Cooper

Channel/harmonia mundi CCS 29110
(74 Min., 11/2008)

Die Verehrung, die Beethoven zuteilwird, steht in einem merkwürdigen Gegensatz zu der Verachtung, mit der die Instrumente gestraft werden, für die er schrieb. Kurz – dies ist tatsächlich die erste kommerzielle Einspielung der berühmten "Diabelli-Variationen" auf einem historischen Fortepiano der Beethoven-Zeit. Es handelt sich um einen 1822 gefertigten Flügel der bedeutenden Wiener Klaviermanufaktur Walter & Sohn. Aber ob der ertaubte Komponist das Stück auch so mit seinem inneren Ohr gehört haben mag, daran lassen sich durchaus Zweifel anmelden.
Das Problem scheint ironischerweise in der großen Stärke des Instruments zu liegen: seinem Klangfarbenreichtum. Wer an hyperpräzise Darstellungen des Werks im objektivierenden Klangbild moderner Klaviere gewöhnt ist, wird vor dem Zusammenklang der paukenartigen Bässe mit dem warmen Tenor, dem pikanten, fast etwas säuerlichen Alt und dem gläsernen Sopran geradezu erschrecken: Es ist, als interpretiere das Instrument aktiv mit und bemühe sich dabei, die strengen motivischen Beziehungen poetisch aufzubrechen und Beethovens kontrastreicher Zeichnung mit ihren oft unversöhnlichen Gegenüberstellungen von höchster und tiefster Lage romantisches Kolorit zu verleihen. Besonders im Piano gelingen Cooper dabei schöne und erhellende Details, wenn er etwa geisterhafte Töne in den Nachhall vorhergegangener Akkorde setzt. Im Mezzoforte und Forte
jedoch wirken viele Einzeltöne zu klobig, Läufe und Bässe rasselnd und wenig trennscharf – möglicherweise wäre hier durch eine etwas trockenere Akustik und die Verwendung eines Nachbaus statt eines Originalinstruments Abhilfe zu schaffen. Für seine anregende, inspirierte und technisch einwandfreie Pioniertat muss man Cooper indessen dankbar sein.

Carsten Niemann, 26.03.2011



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