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Diverse

Romanian Rhapsody

Mihaela Ursuleasa

Berlin/Edel 0016642BC
(65 Min., 6/2010)

Glaubt man den überdrehten Fotos im Booklet, macht die Pianistin Mihaela Ursuleasa bei ihrer heimatlichen Spurensuche nicht vor rumänischen Hühnerhöfen und eingewinterten Landschaften halt; dass der arme Flügel danach unter dem Schmortopf einer walachischen Bauernkate als Brennstoff enden muss, ist wohl ein Teil des 'Konzepts', das uns an die Quellen munter-beschwingter Folklore führen soll. Dieses reichlich oberflächliche Geschichtsbild schiebt sich über eines, das nicht rumänische Landliebe illustrieren würde, sondern die feinen Kanäle, in denen die Formen artifizieller Pseudo-Folklore vom Schreibtisch eines Komponisten zu dem eines anderen wanderten, gelenkt von den Erwartungen des Publikums nach einer 'Ursprünglichkeit', die es nie gab und die es mehr oder weniger kunstvoll zu fingieren galt. George Enescus erste "Rumänische Rhapsodie", ein recht dünnes, leidlich flottes Stück, zeigt noch die ganze Ungelenkigkeit verspäteter Musiknationen und nährt sich am etablierten 'ungarischen' Ton eines Liszt oder Brahms, der ja auch kein bisschen ungarisch war. Enescu gab diesen rumänischen Ton dann auch bald auf und wurde ein bedeutender Komponist. Paul Constantinescus "Suite für Klavier" ist von anderem Kaliber. Das Album macht uns glauben, sie stehe weit 'vor' Bartók, dabei war es erst letzterer, der seinen Nachfolgern kompositorische Wege bahnte, die Kräfte folkloristisch anmutender Motive einzufangen. Aber sei's drum, es macht Spaß, der engagierten Ursuleasa bei dieser Entdeckung zuzuhören. Mit der Verpflichtung des Geigers Gilles Apap ist Ursuleasa ein regelrechter Coup gelungen – der balanciert in Bartóks zweiter "Rhapsodie für Violine und Klavier" so souverän zwischen Folk aller Couleur und Klassik, dass es jeden Pianisten neidisch machen dürfte, der es mit seinem Instrument schwerer hat als der manchmal lustvoll 'dreckig' fiedelnde Apap. Und Schubert mittendrin? Ist ein Fremdling hier, aber das ist er ja gewohnt. Gewiss färbte seine wienerische Umwelt auch sein spätes Werk, aber nie hätte er das seine zukünftigen Hörer wissen lassen müssen. Und herausgetreten aus dem östlichen Reich der Pseudofolklore, im undankbaren Gefilde des Standardrepertoires, kann sich die junge Pianistin dann auch nicht wirklich behaupten.

Matthias Kornemann, 28.05.2011



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