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Woman’s Land

Stefano di Battista

Discograph/Alive PIT 3057
(60 Min., 9/2010)

Das 20. Jahrhundert hat profilierte Frauen hervorgebracht. Einige von ihnen würdigt der italienische Saxofonist Stefano di Battista mit seinem Quintett. Der Kosmonautin Valentina Tereskova widmen sie eine bluesige Shuffle und für die 1986 mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Neurobiologin Rita Levi ließen sie sich einen Chanson einfallen. Die Modedesignerin Coco Chanel hingegen wird mit Zirkusatmosphäre und einer Clownsmelodie bedacht, während zu Maria Lani eine üppig schimmernde Rockjazznummer im (um aufgeplusterten Zierrat angereicherten) Doldinger-Stil passt – die solchermaßen Geehrte hatte sich Ende der 1920er Jahre in Paris als angeblich bedeutende Schauspielerin von 50 Malern portraitieren lassen, bevor sie als Stenographin enttarnt wurde und in die USA floh. Der – tatsächlichen – Schauspielerin Anna Magnani senden sie einen romantisch-sentimentalen Balladen-Gruß, Ella Fitzgerald eine pulsierende Elektro-Bebop-Nummer und Josephine Baker eine von Beethovens Mondscheinsonate inspirierte Ballade. Hell und klar klingt Di Battistas Alt- und Sopransaxofon in diesen Titeln: ein glühender Verehrer all der Damen. Im Team mit dem Pianisten und Keyboarder Julian Oliver Mazzariello, dem Gitarristen Jonathan Kreisberg, dem Kontrabassisten Francesco Puglisi und dem Schlagzeuger Jeff Ballard hat er das Kunststück geschafft, trotz der Fülle der Elemente ein von einem gemeinsamen Grundgestus getragenes, melodiöses und unterhaltsames Fusionalbum einzuspielen. Clever.

Werner Stiefele, 13.08.2011



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