Responsive image
Claude Debussy

Klavierwerke

Robert Casadesus

Sony SM2K 60795
(137 Min., 1950-1954) 2 CDs

Unser Verständnis der Klavierwerke Debussys wird vermutlich mehr von Geschmacks- und Hörnormen bestimmt, als uns bewusst ist. Die kritisch-bewundernde Aufmerksamkeit, die Arturo Benedetti-Michelangelis lebenslange Beschäftigung mit Debussy auf sich gezogen hat, hat selbst bei neueren großen Debussy-Spielern wie Kocsis und Zimerman ihre Spuren hinterlassen, auch sie folgen eher Aspekten der manischen Zergliederung Michelangelis, als dass sie Gegenbilder zeichnen. Einfacher gesagt: (Über-)Feinsinn regiert.
Ein ganz andres Spiel fand ich in der Pianisten-Edition bei dem wunderbaren Tschechen Ivan Moravec (siehe Kritik). Dessen vitaler, mutiger zupackender Debussy weist direkt auf die nun wiederveröffentlichten Einspielungen von Robert Casadesus. Man hört bei Casadesus einen “geerdeten”, kantigen Impressionisten. Die “Hommage à Rameau” aus den “Images” kann eben auch ein gewichtig schreitendes, kraftvoll düsteres Bild sein, und ein Prélude wie “Voiles” wirkt wie verwandelt, wenn es im Metrum derart regelmäßig vorbeizieht.
Casadesus deutet Debussys komplizierte Tempoanweisungen sehr sparsam aus, doch wirken diese Interpretationen dadurch nicht konventionell oder rückwärtsgewandt. Nein, Casadesus stellt die Härten, die Schroffheiten heraus, und keine klangliche Wattierung, kein Elfenzauber verbirgt diese Modernität.

Matthias Kornemann, 28.02.1999



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Es generierte durchaus Schlagzeilen, als der Musikwissenschaftler Timo Juoko Herrmann vor gut vier Jahren eine bisher unentdeckte, womöglich gemeinschaftlich entstandene Komposition von Wolfgang Amadeus Mozart, Antonio Salieri und einem gewissen Cornetti im Prager Nationalmuseum wiederentdeckte – es handelte sich um die Kantate zur Genesung der Sängerin Nancy Storace „Per la ricuperata salute di Ofelia“ KV 477a auf ein Libretto von Lorenzo da Ponte. Dass sie ausgerechnet Timo Juoko […] mehr »


Top