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Gustav Mahler

Das Mahler Album

Wolfgang Holzmair, Russell Ryan

Nightingale classics/Naxos NC 000101-1
(77 Min., 1/2011)

Seit langem ist der Bariton Wolfgang Holzmair eine feste Größe vor allem im Bereich des Liedgesangs: Diverse Liedprogramme auf CDs verschiedener Labels haben die Stimme des 1952 geborenen Österreichers einem breiteren Publikum vertraut gemacht, und in der Tat hat sein Timbre ja einiges Unverwechselbare. Zu den Charakteristika der Stimme Holzmairs gehören neben ihrem leicht körnigen Schmelz indes auch ein gewisser Hang zum Edel-Knödel und eine leichte Neigung, zu tief zu intonieren. Auf sprachlicher Ebene ist sein Vortrag nicht ganz frei von dialektalen Einflüssen. All dies verbindet sich zu einem insgesamt durchaus sympathischen Gemisch mit leichtem Irritationspotential – so gerät „Ich hab ein glühend Messer …“ aus den „Liedern eines fahrenden Gesellen“ passagenweise fast zur Karikatur, weil die nasale Enge, die wohl Dramatik transportieren soll, einfach nur komisch klingt. Wirklich ungetrübt schöne Minuten bieten vor allem die sieben „frühen Lieder“, mit denen dieses reine Mahler-Programm beginnt. Bei den drei großen Zyklen („Lieder eines fahrenden Gesellen“, „Kindertotenlieder“, „Rückert-Lieder“) fällt es schwer, jene großen Vorbilder, die Holzmair in seinem sehr persönlichen Einführungstext ganz frank und frei aufzählt, aus dem Kopf zu bekommen: Allzu fesselnd haben Fischer-Dieskau, Prey, Fassbaender oder Baker das eine oder andere dieser Lieder in ihren CD-Aufnahmen verewigt, vieles davon hat den Rang der Belegeinspielung. Am liebsten hört man Holzmair zweifellos zu, wenn er sich auf ganz lyrischem Gebiet bewegt – so gelingen ihm die ersten beiden der „Kindertotenlieder“ besonders gut, sie bewegen sich in seiner „Schokoladenlage“ und erlauben ihm so manche zarte Ausdrucksnuance. Aber auch hier ist es die häufige Abwesenheit des ganz großen Bogens und der ganz tiefen Expressivität, die eine dauerhafte Begeisterung verhindert. Das ist freilich nicht Holzmairs Fehler allein: Wer könnte im Bann von Ferrier und Baker diesen Zyklus schon zu voller Blüte bringen? Mahlers Lieder sind und bleiben ein glattes Parkett, Überlebensgröße und Sperrigkeit weiter Teile dieses Repertoires fordern auch vom Interpreten jenes extraordinäre Potential, das auf dieser CD nicht in überzeugender Weise hörbar wird.

Michael Wersin, 10.09.2011



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