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Claude Debussy

La mer, Jeux, Nocturnes

Arnold Schoenberg Chor, Wiener Philharmoniker, Lorin Maazel

RCA/BMG 74321 64616 2
(67 Min., 1/1999) 1 CD

Es gibt Interpretationen, die am Überkönnen der Ausführenden kranken. Die Lust an eigener Virtuosität gebiert dann allerhand glänzende Schnörkel. So gefeilt und langweilig wie mit Lorin Maazel habe ich die „Sirènes“ aus den „Nocturnes“ noch nie gehört. Das Experimentieren mit verschiedenen Vokalen beim Sirenengesang war schon bei Boulez nicht ganz befriedigend. „Iiii-aaah“ und „Uuu-eeeh“ machen nun die armen Sirenen des im Übrigen glänzenden Arnold-Schönberg-Chors, was nach Stimmbildung oder weit Schlimmerem klingt.
Das ginge ja noch, fiele nicht an allen Schlüsselstellen die interpretatorische Spannung völlig zusammen. Im Mittelsatz von „La Mer“ etwa, dem „Spiel der Wellen“, plätschert es lau und ölig daher. Da lockt Maazel kräuselnde kleine Bewegungen hervor, die seine Beherrschung des geschmeidigen Wiener Orchesters eindrucksvoll bekunden – aber diese manierierten Bewegungszüge hemmen den großen Fluss.
Rasend und präzise schnurren die Eckteile der „Fêtes“ ab, doch wenn dann der nächtliche Zug im Riesen-Crescendo herankommt, geht Maazel die Puste aus – man höre nur zum Vergleich Salonen, der diese Passagen geradezu hysterisch steigert, dem die weiten Bögen nie durchhängen, der sich nicht dem eitlen Wühlen in der Dirigenten-Trickkiste hingibt.

Matthias Kornemann, 31.05.1999



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