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N° 1220
25.09. - 01.10.2021

nächste Aktualisierung
am 02.10.2021



Für Liebhaber klassischer Inszenierungen, also solcher, die Eingang in die beliebte 70er-Jahre-Sendung "Erkennen Sie die Melodie?" gefunden hätten, sind die DVD-Mitschnitte von Produktionen der New Yorker Metropolitan Opera oder des Royal Opera House Covent Garden erste Wahl. Auch die vorliegende "Traviata" aus London gehört in diese Kategorie. Regisseur Richard Eyre und sein Bühnenbildner Bob Crowley haben Verdis Meisterwerk 1994 (damals feierte Angela Gheorghiu ihren internationalen Durchbruch) ganz gediegen traditionell in Szene gesetzt.
Bei den Sängern hat das ROH in dieser Wiederaufnahme 2009 auf große Namen gesetzt. Allen voran, als Zugpferd sozusagen, Renée Fleming in der Titelpartie. Die Amerikanerin, zweifellos eine der versiertesten Sängerinnen unserer Tage, kann tatsächlich so gut wie alles singen, von Händel über Mozart und Rossini bis hin zu Strauss. Und auch für Verdis Heldin bringt sie die jeweils erforderliche Zutat für jeden der drei Akte mit: Koloraturfähigkeit, dramatische Expansion und lyrische Beseeltheit. Man muss sich dafür aber auf ihre – gerade in dieser Rolle nicht geringen – Manierismen einlassen. Die ufern zwar vokal nicht aus wie bei manchen Kolleginnen, schmälern aber gerade in ihrer Gestik, in der sie mitunter an eine italienische Sopranistin der 50er- oder 60er-Jahre erinnert, ein bisschen den Genuss an ihrer großartigen Gesangskunst, obwohl sie immer wieder auch sehr berührende Momente bietet.
Ihr Alfredo ist Joseph Calleja, ein in London gern gehörter Gast. Zu Recht, denn sein Tenor zählt sicher zu den schönsten, wohlklingendsten überhaupt. Die Stimme strömt gleichmäßig, wird mit vorbildlicher Phrasierung kultiviert und differenziert eingesetzt und bindet hohe Töne wunderbar selbstverständlich in die Gesangslinie ein. Kurz und gut, sie wirkt so geschmackvoll und stilsicher wie die Bergonzis – kein geringes Kompliment! Dafür muss man bei Vater Germont mit dem trockenen Bariton von Thomas Hampson vorlieb nehmen, dem mittlerweile jede Geschmeidigkeit abhanden gekommen ist und dem man die Anstrengung deutlich anhört. Am Pult der Musikchef des ROH, der wunderbare Antonio Pappano, einer der wenigen (man kann es nicht oft genug wiederholen) sängerfreundlichen unter den guten Dirigenten.

Michael Blümke, 08.10.2011



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