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Claude Debussy

La mer, Images pour orchestre u.a.

Orchester Radio France, Désiré-Émile Inghelbrecht

Testament/Note 1 SBT 1213
(70 Min., 12/1953, 1/1954, 3/1957) 1 CD

Sie wissen nicht, wer Désiré-Émile Inghelbrecht ist? Ich wusste es vor dieser Rezension auch nicht. Auf der Rückseite des CD-Beihefts ist die Schwarzweiß-Fotografie eines Mannes mit Partitur zu sehen, der direkt dem Film "Die Kinder des Olymp" entstiegen sein könnte. Im Innern erfährt man, das Inghelbrecht, der von 1880 bis 1965 lebte, ein Freund von Claude Debussy gewesen ist. Manche von dessen Werken hat Inghelbrecht uraufgeführt. Das Orchestre National de la Radiodiffusion Francaise, dass er auf dieser CD dirigiert, hat er selbst 1934 gegründet.
Wie klingt die Musik Debussys in einer solchen Interpretation "aus erster Hand", dazu noch gespielt von einem Klangkörper, den der Dirigent sich selbst geschaffen und erzogen hat? Der Höreindruck ist faszinierend: Fern von allem Hochglanz- und Dolby-sowieso-Sound entfaltet sich in der sinfonischen Dichtung "La Mer" und den "Images" eine Klangwelt, deren Authentizität an die ganz eigentümliche Athmosphäre von Aufnahmen der Sopranistinnen und Debussy-Musen Mary Garden oder Maggie Teyte erinnert. Einen Beweis dafür, das Debussy es genau so gemeint hat, gibt es natürlich nicht. Allerdings ist es eine spezielle Mischung von objektiver Nüchternheit, Ekstase und geheimnisvoller Doppelbödigkeit, die eine unwiderstehliche Faszination ausübt.
Das Orchester handhabt Inghelbrecht wie ein windschnittiges Cabrio, den Chor hingegen wie eine schwere Limousine: Die "Trois Chansons" kann man heutzutage schlanker und flexibler hören. Faszinierend ist allerdings Freda Betty, die Mezzosopran-Solistin des zweiten Liedes, die möglicherweise aus den Reihen des Chores stammt. Eine Stimme von derartiger Klangschönheit, Wärme und Biegsamkeit ist nicht alltäglich.

22.11.2001



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