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N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



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Oswald von Wolkenstein

Frolich, Zärtlich, Lieplich ... Liebeslieder

Ensemble Unicorn, Michael Posch

Raumklang/harmonia mundi RK 2901
(71 Min., 1/2009)

Wer war Oswald von Wolkenstein? Eigentlich müssten wir es wissen, denn schließlich ist er nicht nur der erste deutsche Dichter und Komponist, von dem sich ein Individualporträt erhalten hat ‒ auch sein abenteuerliches Leben als Ritter, Diplomat und sinnenfreudiger Liebender hat er plastisch wie kaum ein anderer Zeitgenosse in seinen Liedern beschrieben. Und doch gibt diese scheinbar einzigartige, oft so modern anmutende Gestalt Rätsel auf: Was ist Wahrheit, was Fiktion oder gar Konvention in seinen Gesängen? Welche Stücke hat er selbst komponiert? Wie deftig-volkstümlich dürfen seine Wirtshausszenen klingen und wie intellektuell strukturiert muss man seine oft nach höfischen französischen Vorlagen geschriebenen Stücke aufführen? Auf diese Fragen gibt das Ensemble Unicorn mit seiner Auswahl von teils derb-erotischen, teils höfisch zarten Liebesliedern aus dem Œuvre des von Wolkenstein ebenso vielfältige wie überzeugende Antworten. Dies beginnt bereits bei dem ausgezeichneten Beiheft, das bei jedem Stück anschaulich beschreibt, worin die historisch bedeutende Leistung Oswalds bestand. Vor allem aber gelingt es den fünf Sängern und acht Instrumentalisten, diese Leistungen sinnlich erfahrbar zu machen. Ob im schlichten a-capella-Satz, ob mit Instrumenten, ob mit hoch virtuoser Maultrommel oder glasklar intonierenden Fiedeln begleitet, ob derb anzüglich oder höfisch distanziert: Ihr Oswald ist mehr als ein bloßer Liedermacher, sondern ein – wenn auch sehr geerdeter – Intellektueller, dessen Lust am Spiel mit Worten unmittelbar in das kunstfertige Jonglieren mit Tönen übergeht. Auch wer Wolkenstein zu kennen glaubt, wird diese Begegnung nicht bereuen.

Carsten Niemann, 03.12.2011



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