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Hand Werk

Menschmaschine

Meta Records/Sunnymoon Meta 61
(75 Min., 1-2/2011)

Als die Elektropopband Kraftwerk 1974 dem Fahren auf der Autobahn huldigte, machten sie die revolutionäre Entwicklung zum Elektropop unumkehrbar. Das Schweizer Quartett Menschmaschine achtet die Leistung der Kraftwerk-Motoren Ralf Hütter und Florian Schneider-Esleben so hoch, dass sie in ihren Jazzbearbeitungen von dreizehn Kraftwerk-Kompositionen alle vordergründigen Bezüge vermeiden und dafür die Stücke ernst nehmen. Da tickert kein Synthesizer. Wohl aber jagen Oli Kuster, Christoph Utzinger und Kevin Chesham auf Klavier, Schlagzeug und Kontrabass mit den heutigen, von Drum’n’Bass beeinflussten Rhythmen voran. Dazu bläst Dominic Landolf auf Tenorsaxofon oder Bassklarinette virtuose, oft völlig abgedrehte Soli. So werden aus „Die Mensch-Maschine“, „Autobahn“, „Die Roboter“, „Trans Europa Express“, „Computer Liebe“ und all den anderen Kraftwerk-Klassikern neue Nummern, die auch ohne Imitation der Originale Strahlkraft besitzen. Das Quartett de-konstruiert die Stücke, baut sie neu zusammen und verleiht ihnen völlig neue Grooves. In ihren Versionen geht es nicht mehr ums Wieder-Erkennen; sie haben aus dem Material etwas Neues erschaffen. Mit einer Ausnahme: In der einzigen Gesangsnummer der Platte dreht Nadja Stoller in „Das Modell“ die von Kraftwerk erzählte Story um und nimmt einen jungen Mann – er sieht gut aus – mit nach Hause. Die Platte wiederum könnte ein Modell für den selbstbewussten Umgang von Jazzern mit Popsongs sein, denn Menschmaschine wahrt die für eine eigene Version nötige Distanz zur Ur-Version.

Werner Stiefele, 10.12.2011



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