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Franz Schubert

Klavierwerke Vol. 6

Gerhard Oppitz

hänssler Classic/Naxos 98521
(79 Min., 11/2007)

Der Riesentorso der C-Dur-Sonate D 840 gehört zu den ganz harten Nüssen für die Pianisten. Selbst die allergrößten standen ein wenig ratlos vor einem Fragment, dessen Beginn sinfonische Riesengesten andeutet, ohne dem Spieler mehr als eine Skizze zu liefern, die sich im Geiste nicht ohne weiteres in eine Orchestrierung umwandeln lässt, ist der Satz doch kahler noch als jeder Klavierauszug. Auch Gerhard Oppitz scheint keine Position zu beziehen im Angesicht der kahlen Hauptthemenblöcke. Weder geht er den Weg einer pianistischen Domestizierung, noch wagt er die Ausweitung in orchestrale Klangräume. Den kahlen Text kultiviert, abgewogen, aber fast auch neutral nachschreibend, scheint er wie so viele vor ihm froh zu sein, in die farbige, unproblematische Seitenthemenwelt einzutreten. Ungelöst bleibt das Kopfsatz-Problem. Auch das erregend schwankende Leben des Andante vermag er nicht packend zu zeichnen. Wie die kühn auffahrenden Vierundsechzigstelfiguren im fortissimo das kondukthafte Dunkel zerreißen oder atemberaubende harmonische Wendungen, die unverhofften Fernblicken gleichen, den Horizont weiten, wir erleben es nicht.
Diese Perspektive eines ungerührt-objektiven, gelegentlich reichlich kommod geebneten Mittelweges setzt sich in den Impromptus fort, mag auch die unerhört ins Nichts tönende, lang gehaltene Oktave am Beginn der Nr. 1 anderes verheißen. Natürlich kennen wir die Brüche, die Traurigkeit und die Abgründe zur Genüge. Oppitz` gelassener Klassizismus bietet einen den Text durchdringenden, behutsamen und geschmackvollen Gegenpart. So dankbar man für solch geläuterte Position heutzutage auch sein mag, das Bild Schuberts wird doch recht klein, als betrachtete man es aus allzu großer Ferne.

Matthias Kornemann, 24.12.2011



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