Flüssiges Atemgold bieten die beiden Countertenöre Philippe Jaroussky & Max Emanuel Cencic auf ihrer mit „Duetti“ betitelten Aufnahme. Bei dem Franzosen Jaroussky war das nicht anders zu erwarten, sitzt seine Stimme trotz des immensen Arbeitspensums in Konzert und Studio einfach perfekt. Kollege Cencic hingegen musste in letzter Zeit schon mal so manch kleines Tal durchschreiten, was Intonationskultur und Tonschönheit angeht. Doch da gerade beim Barock-Fachmann und sensiblen Stimmenscout William Christie von jeher jeder Wackler Tabu ist (einzige Ausnahme machte er nur bei der Händel-Sängerin Danielle de Niese), sorgt nun auch Cencic wieder für reinste Wonne.
Auf dem Programm dieses prominenten Counter-Tête-à-tête stehen italienische Kammerkantaten, in denen man wie einst die männlichen Soprane nicht nur das irdische Liebesglück besingen kann. In diesen arkadischen Barock-Welten, die von Maestri wie Alessandro Scarlatti („Amore e virtù“), Giovanni Bononcini („Pietoso nume arcier“) und Benedetto Marcello („Chiaro e limpido fonte“) inszeniert wurden, kann man sich nun sogar am Herzschmerz laben. So verführerisch glockenrein und bitterzuckersüß kann Jaroussky den Verlust beklagen, während Cencics Pulsschlag schon mal dramatischer, aber nicht weniger feingeistig hochgeht. Wenn beide sich aber – wie in Francesco Contis „Quando veggo un´usignolo“ – mit den drei zartbesaiteten Streichern von Les Arts Florissants zu einem einzigen Nachtigall-Gesang verbünden, ist das himmlische Idyll ganz nah.

Guido Fischer, 14.01.2012



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