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Justin Heinrich Knecht

Grande Symphonie, Orchesterwerke und Arien (Weltersteinspielungen)

Sarah Wegener, Frieder Bernius, Hofkapelle Stuttgart

Carus/Note 1 CAR83228
(48 Min., 1997-2011)

Eine Vorläuferin der Beethoven’schen „Pastorale“?! Die Booklet-Ankündigung allein macht schon neugierig auf Frieder Bernius‘ zweite Knecht-Entdeckung (nach der abendfüllenden Oper „Die Aeolsharfe“, siehe RONDO-Rezension http://www.rondomagazin.de/kritiken.php?kritiken_id=6467 ). Das 1785 in Speyer publizierte „Portrait musical de la nature ou Grande Symphonie“ des schwäbischen Kapellmeisters Justin Heinrich Knecht wartet wie Beethovens sinfonischer Meilenstein von 1808 mit fünf Sätzen auf, deren Titelanfänge („eine schöne Gegend, in der die Sonne strahlt“; „der Himmel wird mit einem Mal dunkel“; „das Gewitter bricht mit aller Gewalt los“; „das Gewitter beruhigt sich“; „die Natur ist voller Freude“) ebenfalls bekannte Assoziationen wecken. Die Forschung weiß natürlich von Beethovens Ideenklau etwa bei Cartellieri und anderen Zeitgenossen, die wir heutzutage gerne als „Kleinmeister“ der zwischen Klassik und Romantik changierenden Achsenzeit rubrizieren. Auch Knecht war ihm kein Unbekannter, er besaß dessen 1798 erschienene Orgelschule.
Dennoch bleibt – selbstverständlich – ein gehöriger Graben zwischen beiden „Pastoralen“. So malt Knecht zwar mit quirligen Streicherfiguren eine bukolische Idylle mitsamt Vogelgezwitscher und Wildbachplätschern; doch das bleibt nur apartes Beiwerk in einem recht konventionellen Melodien- und Harmonienhaushalt. Erst die Molleintrübung des zweiten und das furiose „Getöse“ des dritten Satzes erinnern an Beethoven – wobei man bei Knecht allerdings eher an ein Schlachtengemälde bzw. Don Giovannis Höllenfahrt als ein Gewitter denkt. Apropos Mozart: Knecht wollte der Welt – und das hieß damals für einen Biberacher Provinzcompositeur: dem Stuttgarter Hof – zeigen, dass er wusste, was auf den Bühnen en vogue war. So kannte er natürlich seinen Mozart. Die drei Arien aus „Der Schulze im Dorfe“ und die „Bravour-Arie auf des Königs Geburtsfest gehörig“ demonstrieren das auf gefällige, im Sopran-Bläser-Dialog durchaus kunstvoll gearbeitete Weise. Dabei wird Sarah Wegener wie weiland Mozarts Blondchen zu manch abenteuerlichem Koloraturen-Ausbruch angehalten, den sie denn auch bravourös meistert. Wie auch immer man die Trouvaillen musikhistorisch bewerten mag – Bernius bleibt seinem Knecht nichts schuldig, auch nicht in den beiden zugegebenen, mit viel Bläserkolorit aufwartenden Ouvertüren von 1807. Die mit furiosen Steigerungswellen und pompösen Entladungen auftrumpfende heutige Stuttgarter Hofkapelle dürfte jedenfalls Knechts damaliger zumindest ebenbürtig gewesen sein.

Christoph Braun, 04.02.2012



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