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The Second Time Is Different

Malte Schillers Red Balloon

Unit/harmonia mundi UTR 4312
(47 Min., 8/2009)

Der rote Ballon des Malte Schiller schwebt gemächlich und souverän durch die Bigband-Geschichte. Gelassen knüpfen der Berliner Saxofonist und seine elfköpfige Formation an vieles an, was Bandleader wie Gerry Mulligan, Gil Evans, Maria Schneider oder Bob Brookmeyer geschaffen haben. Nicht bluesverwurzelter Swing eines Count Basie gibt den Ausschlag, sondern differenzierte, von den europäischen Impressionisten und Romantikern ebenso wie von der Jazztradition beeinflusste Kompositionsstile. Differenziert fächern Schillers Arrangements die Klangfarben auf, setzen Flächen gegen Bewegung, schaffen Raum für Soli, reduzieren den Klangkörper während der Soli auf Comboformat, untermalen die Solisten zwischendurch aber auch mit orchestralen Figuren – eigentlich alles das übliche Handwerkszeug, in diesem Fall aber besonders clever eingesetzt. Der Bigband-Mainstream, den mangels finanzieller Möglichkeiten nur noch wenige Ensembles am Leben erhalten können, hat durch Malte Schillers Formation Verstärkung erhalten. So schillert der rote Ballon in vielen Tönen. Der mit einem wunderbaren Gefühl für Farben und Schattierungen ausgestattete Malte Schiller hätte es verdient, dass die Band Bestand hat und nicht wie eine Seifenblase zerplatzt.

Werner Stiefele, 10.03.2012



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