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Songs

Bugge Wesseltoft

Emarcy/Universal 2791733
(59 Min.)

„Songs“, das vierte Soloalbum des norwegischen Pianisten, Keyboarders und Produzenten Bugge Wesseltoft, ist streng genommen das genaue Gegenteil seines vor sieben Jahren beendeten Erfolgsprojektes „New Conception Of Jazz“.
Auf der Einspielung befasst sich Wesseltoft nämlich konsequent mit der „old conception of Jazz“. Will heißen: Zum ersten Mal in seiner Karriere hat der Norweger eine CD aufgenommen, die ausschließlich aus alten Jazzstandards besteht; die jüngste Nummer auf „Songs“, Steve Kuhns „Chicken Feathers“, stammt aus dem Jahr 1972.
Wenn man bedenkt, wie gegenwartsorientiert sich Wesseltoft stets gibt (so war seine letzte Aufnahme beispielsweise eine Kollaboration mit dem Berliner Techno- und Deep House-DJ Henrik Schwarz), kann man da fast schon von Konterrevolution sprechen.
Was die Sache aber nicht ganz trifft. In seinen Interpretationen von eigentlich schon tot gespielten Klassikern wie „Darn That Dream“, „My Foolish Heart“ oder „Moon River“ erweist sich Wesseltoft als großer Radikaler. Die Stücke werden aufs Nötigste reduziert; oftmals bleibt nur die harmonische Essenz übrig, die der Pianist mit sorgsam abgeschmeckten Harmonien immer wieder neu umdeutet. Erik Satie und Bill Evans sind deutlich erkennbare Bezugsquellen, man vermeint aber auch skandinavische Kirchenlieder und – vor allem in der erstaunlichen „Giant Steps“-Version – Olivier Messiaen durchschimmern zu hören.
Diese Formulierung mag zwar nicht zu einer CD passen, die so in sich gekehrt und geradezu demütig ist – dennoch: Bei „Songs“ handelt es sich um einen wirklich großen Wurf. Und zwar gerade wegen dem, was Wesseltoft nicht spielt.

Josef Engels, 17.03.2012



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