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N° 1220
25.09. - 01.10.2021

nächste Aktualisierung
am 02.10.2021



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Claudio Monteverdi, Giaches de Wert, Nicolas Gombert

Missa in illo tempore u.a.

Odhecaton, Paolo da Col

Ricercar/Note 1 RIC 322
(64 Min., 9/2011)

Im Jahre 1610, als Claudio Monteverdi seine „Marienvesper“ im Druck herausgab, edierte er auch seine sechsstimmige „Missa in illo tempore“: ein eindrucksvoller Beleg dafür, wie in jener Zeit neben der neuen „seconda pratica“, dem affektgeladenen konzertanten Miteinander von Gesang und Instrumentalmusik, auch die altehrwürdige Vokalpolyphonie noch sehr lebendig war. „In illo tempore“ ist, ganz nach alter Tradition, sogar eine Parodiemesse: Eine mit denselben Worten beginnende Evangelienmotette Nicolas Gomberts, die auf dieser CD ebenfalls zu hören ist, diente Monteverdi als „Steinbruch“; ihr entnahm er insgesamt zehn Soggetti (musikalische Motive), die er dann in seiner Messe ganz eigenständig zu einem neuen Vokalsatz zusammenfügte. Ging er mit dieser Technik schon über die Parodietechnik der älteren Meister (welche ihrerseits eher komplette mehrstimmige Blöcke aus den parodierten Werken herausnahmen und weiterentwickelten) hinaus, so ließ er außerdem u.a. mit längeren sequenzierenden Abschnitten immer wieder auch schon ein prägnantes Spezifikum der neuen frühbarocken Stilistik durchscheinen; andererseits jedoch kumulierten die traditionellen polyphonen Verarbeitungstechniken bei ihm zu einer wahren „Tour de force“ in Sachen Kontrapunkt, die die strukturelle Dichte der Vorgängerkomposition Gomberts deutlich übertraf: Altes und Neues, Traditionelles und Innovatives verbinden sich bei Monteverdi in ausgesprochen kreativer Weise zu einem ganz originellen Gipfelpunkt kompositorischer Kreativität.
Paolo da Col und sein Ensemble „Odhecaton“ fügen in den Messablauf drei marianische Antiphonen Monteverdis ein, die erst 2011 identifiziert wurden und hier zum ersten Mal auf CD erscheinen. Diese continuobegleiteten Stücke sind dem neuen Stil, also der „seconda pratica“ verpflichtet und bilden dementsprechend einen reizvollen Kontrast zur Messe. Das ausschließlich von Männerstimmen (im Diskant falsettierend) dargebotene Programm wird außerdem sinnvoll ergänzt durch drei Motetten Giaches de Werts (1535-1596), die eindrucksvoll von den differenzierten Möglichkeiten der musikalischen Textausdeutung im alten vokalpolyphonen Stil („prima pratica“ nach Monteverdis Terminologie) künden.
Die Interpretation darf als weitgehend tadellos gelobt werden: Immer folgen die Sänger engagiert der musikgewordenen Sprache, und in den besten Momenten erreichen besonders die hohen Stimmen ein intensives klangliches „Leuchten“, das den Hörer im Innersten ergreift.

Michael Wersin, 24.03.2012



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