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Antonín Dvořák, Bedřich Smetana

Sinfonien Nr. 7, 8, 9, Streichquartett Nr. 2

Cleveland Orchestra, George Szell

Masterworks Heritage/Sony MH2K 63151
(154 Min., 11/1958, 3/1959, 1/1963) 2 CDs

Nahezu alles, was George Szell in Cleveland einspielte, hat Ausnahmerang; mir fällt nur eine Aufnahme ein, die missglückte: Mahlers Sechste. Seine besondere Liebe galt dem romantischen Repertoire aus Böhmen. Smetanas Ouvertüre und Tänze aus der “Verkauften Braut” und “Die Moldau”, Weinbergers “Schwanda” oder eben auch Dvořák hat keiner je brillanter aufgeführt als Szell mit seinen Cleveländern, von denen er forderte, zu spielen “wie ein Streichquartett”, so präzise, so aufeinander hörend.
Auch in den letzten drei Dvořák-Sinfonien ist die Ensemble-Genauigkeit das erste, was auffällt; dann aber, stärker noch: Nicht eine Unze sentimentales Fettgewebe findet sich hier, aber immer Emotion, oft geradezu fiebrige, und ebenso Eleganz - etwa im dritten Satz der Achten.
Am meisten an dieser Doppel-CD fasziniert allerdings Szells eigene Orchestrierung des Smetana-Streichquartetts “Aus meinem Leben”: Er multipliziert nicht nur die Streicher, eventuell unter Rekrutierung von Kontrabässen, wie es Mahler bei Schubert und Bernstein bei Beethoven tat - er nutzt das ganze Orchester, mit Schlagzeug, Holz und Blech sowie Harfe. Wenn dann im Schlusssatz des Quartetts der Bruch kommt, wenn Smetana seine Ertaubung durch einen gespenstisch hohen (Pfeif-)Ton über ahnungsvollem Tremolo schildert, benutzt Szell tatsächlich eine (Blech?-) Flöte in höchster Lage - schauerliches Signal nicht nur für das Pfeifen in des Komponisten Ohr, sondern auch ein Menetekel des nahenden Wahns.

Thomas Rübenacker, 30.04.1998



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