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Joseph Martin Kraus

Violakonzerte Es-Dur (VB 153c), C-Dur (VB 153b) und G-Dur (VB 153a)

David Aaron Carpenter, Tapiola Sinfonietta

Ondine/Naxos ODE 1193-2
(62 Min., 11/2011)

Die Bratsche ist seit jeher stiefmütterlich mit Solokonzerten bedacht worden – da wäre es schon eine kleine Sensation, wenn überhaupt ein brauchbares Violakonzert wiederentdeckt worden wäre. Aber die hier erstmals eingespielten drei Bratschenkonzerte von Joseph Martin Kraus (1756 - 1792) sind mehr als nur brauchbar: Nach Mozarts Sinfonia concertante für Violine und Viola gehören sie wahrscheinlich sogar zu dem Besten, was in der Klassik überhaupt an Orchesterwerken mit Solobratsche geschrieben wurde. Ähnlich wie das 1962 wiederentdeckte C-Dur-Cellokonzert von Joseph Haydn (der Kraus übrigens als Genie bezeichnete) dürften sie daher mit den Jahren zu Werken werden, an denen kein Virtuose seines Faches vorbeikommen wird.
Am aufregendsten der Entdeckungen ist dabei wohl das G-Dur-Konzert (bei dem es sich eigentlich um ein Bratschenkonzert mit virtuosem obligatem Solocello handelt): Kraus' Bestreben, die klassische Formensprache durch Kontrastwirkungen in der Harmonik und durch formale Überraschungen aufzubrechen, tritt hier am deutlichsten zutage.
David Aaron Carpenter und die Tapiola Sinfonietta bringen die Werke mit makelloser Technik und grundsätzlicher Musikalität in eine gute Startposition, könnten aber Kraus' Nähe zum Sturm und Drang mit größeren Kontrasten und feineren emotionalen Schattierungen aufzeigen. Wenn man etwa bedenkt, was Carpenters Kollege Nils Mönkemeyer mit einem durchschnittlichen Orchester aus dem weit weniger inspirierten Bratschenkonzert von Kraus' Zeitgenossen Antonio Rosetti an Funken geschlagen hat, wird man trotz Freude an dieser gelungenen Wiederentdeckung die Ohren und Augen nach weiteren Einspielungen offen halten.

Carsten Niemann, 08.09.2012



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