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Antonín Dvořák

Streichquartette Nr. 13 und 14

Melos-Quartett

HMF/Helikon Harmonia Mundi 794881628421
(71 Min., 11/1999) 1 CD

Als Schönberg sein erstes Quartett komponierte, sah er sich nicht nur in der Tradition eines Brahms - das ist relativ bekannt -, sondern auch eines Dvorák, dessen Quartette er gründlich studiert hatte. Ich würde gering von Dvorák denken, setzte ich diese prominente Reverenz bloß als Ehrenrettung für seine Werke ein. Das haben sie nicht nötig. Aber es ist schon interessant, dass Dvorák viel stärker in der Entwicklungslinie des spätromantischen Quartettstils steht, als es das ewige Klischee vom „böhmischen Musikanten“ denken lässt, das ihn auf den toten Ast des regionalen Folklorismus verweist.
Mit den beiden 1895 komponierten Quartetten verabschiedete Dvorák sich von der Kammermusik. Der sinfonischen Dichtung und der Oper gehörten seine letzten neun Jahre, eine eigenartige Alterswendung. Das Quartett Nr. 14 in As mag man verinnerlichter, grüblerischer, das in G (Nr. 13) dagegen deutlich orchestraler und glanzvoller finden. Diese Neueinspielung mit dem Melos-Quartett rückt deutlich vom klangkultivierenden Stilideal der Prager Quartette ab, deren Aufnahmen das Feld beherrschen. Das Thema des G-Dur-Quartetts mit dem ausgeschriebenen Triller und den herabhüpfenden Triolen in der ersten Geige kann einem Ensemble rasch allzu munter und sorglos geraten. Gewiß darf man das so hören. Es geht aber auch ganz anders.
Beim Melos-Quartett werden die kleinen Crescendi unter diesen Figuren so forciert, ihre Kraftgeladenheit betont, dass wir verstehen: Hier gibt's kein Ornament und lässiges Verschleifen, jede Note zählt. Und die Entwicklung zeigt, dass es so ist. Das Melos-Quartett führt die ganze Entwicklungsenergie vor, die in Dvoráks Einfällen steckt. Ich habe auch noch keine Aufnahme gehört, die das chromatisch über dem Orgelpunkt emporkriechende zweite Thema des Lento aus Nr. 14 so eindringlich, geradezu qualerfüllt ausgespielt hätte. Oder den Beginn des Adagios aus Nr. 13 so brucknerhaft geweitet. Dies ist ein sehr ernsthafter Blick auf Dvoráks Spätwerke.

Matthias Kornemann, 12.07.2001



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