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N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



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Alessandro Scarlatti, Francesco Mancini, Leonardo Leo u.a.

Una follia di Napoli (Sonaten, Concerti und Sinfonie)

Maurice Steger, Fiorenza de Donatis, Mauro Valli, Brigitte Gasser, Naoki Kitaya, Margit Übellacker u.a.

harmonia mundi HMC 902135
(73 Min., 11/2011) CD+Bonus-DVD

Nachdem er uns mit einer lukullischen Ensemble-CD bereits „Venedig 1625” schmackhaft gemacht hat, begibt sich Maurice Steger nun ins Neapel des Jahres 1725. Die „Follia“ des Titels bezeichnet nicht nur eins der eingespielten Werke, sie könnte auch treffend auf die Verhältnisse der der Stadt am Golf anspielen – sowohl auf den Plätzen wie in der Politik. Denn Neapel stand bis auf ein Jahr der Revolte (1647) unter unheilvoller Fremdherrschaft, erst der spanischen, ab 1713 der österreichischen Habsburger. Die Mafia, ursprünglich eine Art Bürgerselbsthilfe gegen die Besatzer, stammt aus dieser Zeit.
Ganz transparent hingegen sind die (Klang-)Verhältnisse in der Gruppe, die der Schweizer Flötist Maurice Steger um sich versammelt hat, wenngleich nicht minder eingeschworen. Aus einem prallen Manuskript von 1725 schöpft er barock-vielgesichtige Sonaten, Sinfonien und Concerti und setzt der knapp zehnjährigen Blütezeit ein Denkmal, die dieses Instrument am Fuß des Vesuv erlebte – nachdem Johann Joachim Quantz (Oboist, Block- und Traversflötist von Rang) dem greisen Alessandro Scarlatti seine Aufwartung machte und ihn von den Vorzügen der Flöten überzeugen konnte.
Traumhaft schön perlt das spanische Follia-Thema in allen Farben der Besetzung, zu denen sich (für einen Hauch L’Arpeggiata-Aroma) auch das Psalterium Margit Übellackers gesellt. Bissig bis zum Tarantella-Klang reißen die Gitarrensaiten im Spiritoso-Satz, während die Flöte ihre Melodiebögen mit einer Ruhe ausbreitet, dass man dabei das Meer um die Inseln Capri und Ischia in der Sonne glitzern sieht. Das Ganze wird von der Aufnahmetechnik so nah in den Fokus gerückt, als säße man mitten unter den Musikern. Die Bonus-DVD mit einführenden Worten und dem Werkstattblick hätte es nicht einmal dazu gebraucht. So bleibt es nicht aus, dass der Funke des riskant-virtuosen Spiels, der zwischen Steger und seinen Mitstreitern knistert, direkt auf den Hörer überspringt. Grandios!

Carsten Hinrichs, 20.10.2012



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