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Eisleriana

Hannes Zerbe Jazz Orchester

Jazz Haus Musik JHM 211
(60 Min., 2011)

Hannes Zerbe, in der DDR einer der unorthodoxen Grenzgänger zwischen Jazz und komponierter Musik, beschäftigt sich schon seit Jahrzehnten mit dem Werk von Hanns Eisler. In den 1980ern ließ sich seine „Blech Band“ unter anderem von Eislers Orchestersuiten inspirieren – nachzuhören auf der im September erschienenen Wiederveröffentlichung auf Edel/Amiga. Mit seinem aktuellen Jazz Orchester geht er weiter als damals. In „Compact 1“ löst sich aus einer an Eisler erinnernden Einleitung eine intensiv pulsierende Jazzrockpassage, in der sich Einflüsse von Frank Zappa und dem niederländischen Filmkomponisten und Jazzer Willem Breuker die Waage halten. Auf „Compact 3“ bewegt sich die Band von Country über Zirkusmusik und Rockjazz gen Karibik und Mexiko. Ähnlich vielschichtig fällt auch „Abakus“ aus, wobei sich Zerbe hier von der europäisch-konzertanten Bigbandtradition inspirieren lässt und einen Hauch „free“ hinzumengt.
Das Arrangement von Eislers „Über den Selbstmord“ greift auf dessen Thema zurück und kleidet es in eine neue, den klanglichen Möglichkeiten der Bigband adäquate Form der Melancholie, die allmählich zerfleddert, bevor sie zu einem traurigen Finale findet. Hier sowie in der vierteiligen Suite „Eisleriana“ meidet Zerbe die offenkundigen Bezüge stärker als in „Compact 1“. Er integriert zwar eine Fülle von Eisler-Motiven in die vier Sätze des 23minütigen Werks, stellt aber den eigenen Zerbe-Sound mit mehrschichtigen Bläsern, Jazzrock-Bezügen und überraschenden Wendungen in den Vordergrund. Eisler zu ehren, könnte man als Kernaussage herausdestillieren, heißt, sein Werk zu kennen und den eigenen Stil voranzubringen. Der lässt den Solisten Raum für eigene Statements und bettet sie souverän in abwechslungsreiche Arrangements.

Werner Stiefele, 17.11.2012



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