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Franz Schubert

Streichquartette D. 87 & D. 887

Cuarteto Casals

harmonia mundi HMC 902121
(72 Min., 6/2011)

13 Jahre liegen zwischen Schuberts Jugendquartett Nr. 10 Es-Dur D. 87 und seinem großen Spätwerk Nr. 15 G-Dur D. 887. Bei dem einen war er gerade mal 16-jährig, das letzte entstand zwei Jahre vor seinem Tod und sollte zu seinem vierstimmigen Schwanengesang werden. Aufbruch und nahender Abschied – diese biografischen Extrem-Pole sind von jeher für Quartett-Ensembles verführerisch. Denn um Schuberts vielbeschworene Zerrissenheit und sein Entgleiten in revolutionäre Klangräume zu veranschaulichen, ließe sich dieser Eindruck über eine unbekümmerte Taghelle im frühen Quartett potenzieren. Mit diesem Modus Operandi wäre man als Quartett auf der sicheren, weil das gängige Schubert-Bild bestätigenden Seite. Da das Cuarteto Casals hingegen keine Formation ist, die auf ausgetretenen Pfaden ihr Glück finden will, kommt es bei der ersten Schubert-Einspielung der Spanier zu einer überfällig entschlackten Innen- und Außenansicht der Werke.
Ohne irgendwelche aufgesetzten Gesten oder gar den Versuch der Sublimierung des Ausweglosen lässt das Cuarteto Casals die beiden Quartette schlichtweg aus sich heraus sprechen. Und das ist nicht nur im G-Dur-Quartett alles andere als wenig – mit all seinen harmonischen Kühnheiten, einer latenten Polyfonie (im Andante) und dem finalen, rauschhaften Clash zwischen Melodie und Chromatik. Auch beim Es-Dur-Quartett steckt bereits so viel Doppelbödiges im Übermütigen und Lyrischen, dass Schubert damit noch den 17-jährigen Streichquartett-Komponisten Mozart übertrifft. Auch diese Erkenntnis macht man jetzt beim Cuarteto Casals – wobei die Musiker eben keinen seminaristischen Ton anschlagen, sondern die genaue Kenntnis der Partitur ins Musiksprachliche übersetzen. Es lohnt sich, Schubert vom Kopf einfach mal wieder auf die Füße zu stellen.

Guido Fischer, 17.11.2012



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