Am 10. April 1987 hatte Antonín Dvořáks Meisteroper "Rusalka" an der Wiener Staatsoper Premiere - sage und schreibe 86 Jahre nach ihrer Prager Uraufführung! Warum dieses populäre Stück nach der im Vorfeld gescheiterten Erstaufführung des Jahres 1902 unter Gustav Mahler dem Wiener Publikum so lange vorenthalten blieb, erscheint mehr als rätselhaft. Dafür wurden die Zuschauer dann allerdings auch mit einer musikalisch weitgehend erstklassigen Produktion belohnt: Gabriele Beňačková-Čáp und Peter Dvorský, das langjährige Traumpaar der tschechischsprachigen Oper, präsentieren sich in überragender Form. Dvorský brilliert mit seiner jugendlich-kernigen Tenorstimme gleichermaßen in lyrischen wie in dramatischen Passagen; einmal mehr entsteht der Eindruck, dieser hervorragende Vertreter seines Faches sei hinsichtlich seiner Popularität sehr zu Unrecht hinter so manchem minder mitreißenden und zuverlässigen Kollegen zurückgeblieben. Gabriele Beňačková-Čáp überzeugt genau wie ihr Kollege von der ersten bis zur letzten Minute durch hervorragende vokale wie darstellerische Präsenz. Die beiden anderen Hauptdarsteller hingegen geben ein wenig einheitliches Bild ab: Jewgenij Nesterenko, der stimmgewaltige, zum Zeitpunkt der Aufnahme noch nicht 50-jährige russische Bassist, klingt mit seiner etwas muffigen Höhe vor allem im ersten Akt allzu sehr nach einem Wassermann fortgeschrittenen Alters. Eva Randová, die sich nicht mit der Partie der Hexe begnügte, sondern auch noch die fremde Fürstin übernahm, fährt nach Anlaufschwierigkeiten erst im zweiten Akt zu voller Größe auf. Glanzvoll hingegen die Leistung des Dirigenten: Vaclav Neumann erweist sich als profunder Kenner der Partitur und ihrer klanglichen Möglichkeiten; das Orchester der Wiener Staatsoper führt er immer wieder zu Höchstleistungen: Stellvertretend für zahlreiche perfekt ausbalancierte und wunderbar klangsinnliche Abschnitte sei nur die Ballettmusik im zweiten Akt mit ihren blitzsauber und höchst geschmeidig ausgeführten Trompeten-Akkorden genannt.

03.07.2004



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