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Fazıl Say

Istanbul Sinfonie, Hezarfen (Konzert für Ney und Orchester)

Burcu Karadag, Aykut Köselerli, Gürer Aykal, Philharmonisches Orchester Borusan Istanbul, Dan Ettinger, Orchester des Nationaltheater Mannheim

naïve/Indigo 972522
(68 Min., 12/2010 & 3/2012)

Es gab Zeiten, da war es ganz normal, dass Virtuosen – meistens solche am Klavier – auch komponieren. Zumindest Werke für den Eigengebrauch. Manche überschritten dabei auch die Grenzen des eigenen Instrumentes. Und bei einigen war es irgendwann nicht mehr auszumachen, ob sie komponierende Pianisten oder klavierspielende Komponisten waren.
Fazıl Say komponiert seit dem Teenageralter, eine Klaviersonate war sein erstes Opus. 14 Jahre war er damals alt und bereits Student am Konservatorium in Ankara. Über ein Vierteljahrhundert zählt er also mittlerweile auch zu den Tonsetzern. Waren es bis in die 90er Jahre hauptsächlich sehr effektvolle Stücke für Klavier, sind inzwischen Werke für die unterschiedlichsten Instrumente und sogar groß angelegte Vokalwerke dazugekommen.
Seine erste Sinfonie, "Istanbul Sinfonie" betitelt, entstand 2010 als Auftragswerk des WDR und des Konzerthaus Dortmund. Sie entwirft in sieben Sätzen ein nostalgisches Bild der schönen Stadt am Bosporus, illustriert in einer Mischung aus Welt- und Filmmusik typische Orte und Situationen. Frühere Kompositionen Says waren da eindeutig anspruchsvoller, raffinierter und spielten nicht nur die atmosphärische Karte aus. Als noch eine Nuance entbehrlicher erweist sich das Ney-Konzert "Hezarfen", dessen Mannheimer Uraufführung am 6. März 2012 hier festgehalten ist. Wie gesagt, Say hat schon ganz andere Sachen geschrieben (man denke nur an das von Patricia Kopatchinskaja aus der Taufe gehobene Violinkonzert) – mit diesen neueren Beiträgen zu seinem Oeuvre lässt er keinen Zweifel daran, dass qualitativ gesehen bei ihm der Pianist im Vordergrund steht.

Michael Blümke, 12.01.2013



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