Bekannte Songs schnell und ohne lästiges Notenlernen auf der Gitarre zu begleiten lernen ‒ wer möchte das nicht? Schon im Italien des 17. Jahrhunderts gab es diesen Bedarf – weswegen findige Verleger Lieder mit „Alfabeto“-Griffschrift veröffentlichten, bei der jeder Buchstabe einen eigenen Akkord bezeichnete – die weitere Ausgestaltung hing dann von der Improvisationsgabe und dem technischen Niveau des Begleiters ab. Aus diesem riesigen Repertoire authentischer und populärer italienischer Gitarrenlieder hat der Barockgitarrist Pierre Pitzl eine reizende Auswahl getroffen, wobei man neben unbekannten Autoren auch namhafte Komponisten wie Kapsberger und Merula findet.
Formen mit tranceerzeugenden suggestiven Wiederholungen wie Romanesca, Ciaccona und Follia dominieren, während es sich bei den Texten um mehr oder weniger pastoral verbrämte sinnliche Fantasien handelt. Raquel Andueza verleiht ihnen mit ihrem wohlklingenden, mädchenhaften, im Piano vielleicht etwas hauchigen aber dadurch umso natürlicher wirkenden Sopran reizenden Ausdruck. Pierre Pitzl und den übrigen Instrumentalisten des Ensembles Private Musicke gelingt es, den Eindruck von Spontaneität zu bewahren und zugleich eine kunstvolle Vielfalt in die Begleitungen zu bringen: Vielfältigste Schlag- und Zupfmuster und auch mal ein glutvolles Tremolo schmiegen sich passgenau dem Text an, unterstützt von den saftigen dunklen Bässen von Chitarrone und Violone und dem unaufdringlichen Groove der historischen Schlaginstrumente: eine atmosphärische Scheibe, die als Begleitung zum Essen mit Freunden genauso begeistert wie beim konzentrierten einsamen Nachhören.

Carsten Niemann, 26.01.2013



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Zwei geniale Geiger auf einer CD vereint, die die Welt der Klassik und die des Jazz miteinander verbinden, als wäre es das natürlichste der Welt. Einfach toll! Stéphane Grappelli, der französische Geigenvirtuose, weitgehend Autodidakt, aber übersprudelnd vor musikalischen Ideen traf 1973 erstmals auf den acht Jahre jüngeren Yehudi Menuhin, ehemals Wunderkind und damals längst Geigen-Legende. Grappelli hatte mit dem Quintette du Hot Club de France die Clubs aufgemischt, Menuhin die […] mehr »


Top