Responsive image
Richard Wagner

Szenen aus „Rienzi“, „Tannhäuser“, „Lohengrin“, „Die Meistersinger“, „Die Walküre“, „Siegfried“, Wesendonck-Lieder

Jonas Kaufmann, Donald Runnicles, Orchester der Deutschen Oper Berlin

Decca/Universal 478 5189
(74 Min., 9/2012)

Auf ein Wagner-Album von Jonas Kaufmann haben zum Jubiläumsjahr wohl viele gehofft. Immer häufiger steht er als Lohengrin oder Siegmund auf der Bühne, die natürlich auch hier in Auszügen vertreten sind. Gleichzeitig aber gönnt uns der Tenor einen Ausblick auf künftige Partien wie Tannhäuser und Siegfried. Und weckt damit beim Hörer sofort Begehrlichkeiten. Schon wegen seiner dunklen Klangfarbe ist er für den Tannhäuser geradezu prädestiniert. Eben diese Klangfarbe ist es allerdings auch, die ihn für Lohengrin oder Stolzing nur zweite Wahl sein lässt. Klaus Florian Vogt, der mit seiner schlankeren, geschmeidigeren Stimme ohne Kaufmanns hörbaren Kraftaufwand auskommt, hat in diesen lyrischeren Rollen zweifellos die Nase vorn. Als Siegmund – seine derzeitige Idealpartie – aber verschaffen ihm diese satteren Töne einen deutlichen Vorsprung gegenüber Vogt. Nur seine Kopie von Lauritz Melchiors ewig gehaltenen Wälse-Rufen hätte er sich sparen sollen: Melchior konnte sie live auf der Bühne abliefern, diese Show-Einlage im Studio nachzumachen, ist einfach nur albern. Ansonsten aber bietet diese CD Wellen wahrer Wagner-Wonnen. Ein besonderes Highlight sind die von den Sopranen entliehenen Wesendonck-Lieder, die Kaufmann herrlich singt und gestaltet. Die Frage, ob man sich nun Vogts oder Kaufmanns Wagner-Programm zulegen sollte, stellt sich nicht. Man braucht beide, denn so unübertrefflich der Holsteiner in den ‚leichteren‘ Partien ist, so mitreißend präsentiert sich der Münchner mit den schwereren Helden. Freuen wir uns, zwei so wunderbare Wagner-Stimmen genießen zu können.

Michael Blümke, 23.02.2013



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Beutezüge im Barock: Manche Solisten haben das Pech, dass die größten Komponisten gerade für ihr Instrument kein Konzert geschrieben haben. Keine Trompete bei Mozart, keine Flöte bei Bach und überhaupt keine Konzerte von Schubert. Und obwohl Antonio Vivaldi dank seiner versatilen Schülerinnen in der Pietà für fast jedes erdenkliche Instrument und jede Kombination Concerti in Fülle entworfen hat – allein 39 für’s Fagott, nur seine eigene Violine hat mehr bekommen – gibt es […] mehr »


Top