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Beethoven

Rudolf Serkin Plays Concertos, Sonatas & Variations

Rudolf Serkin, Eugene Ormandy, Philadelphia Orchestra

Sony 88691988302
(1957-1981) 11 CDs

Rudolf Serkin ist wirklich ein Vergessener. Schön, dass die Sony endlich seinen gesammelten Studio-Beethoven, hauptsächlich aus den späten 60ern und frühen 70ern vorlegt – das war seit Jahren eine teure Rarität. Die Sonaten spielte Serkin nie vollständig, den „Feld-Wald-Wiesen-Beethoven (z.B. op. 28, die „Pastorale“) ließ er beiseite, und wer sich mit dieser spröden Klavierkunst einlässt, begreift auch bald, warum das so war. Wie ein bohrender Sonateninquisitor dringt er unter die tönenden Oberflächen, um die Gesetze thematischer Entwicklung freizulegen, alles lyrische, anmutige Wesen unwirsch beiseite kippend. Oder mit den maliziösen Worten des sonst so mild-kollegialen Ivan Moravec: „His sound is sick“. Serkins Kunst sollte nicht gefallen, bezaubern, glänzen, sondern kompositorische Wahrheit offenbaren. Und das überzeugt vor allem dort, wo man allzu oft nur parfümierten Klang hört und nicht begreift, was darunter liegt, etwa in der Trauermarsch-Sonate, die hier beunruhigend fahl und ausgeglüht wirkt. Es mag etwas paradox klingen, dass die eigenartige Qualität dieses unerbittlichen Klavierspiels jenseits des Hörbaren zu liegen scheint und sich nur im Geistigen zu vollenden scheint. Sind Serkins eigenartig spröde Interpretationen verklungen, bleibt immer ein umrissenes Bild im Bewusstsein hängen.

Matthias Kornemann, 23.03.2013



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