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Franz Schubert

Licht und Liebe ‒ Lieder und Vokalquartette

Marlis Petersen, Anke Vondung, Werner Güra, Konrad Jarnot, Christoph Berner

harmonia mundi HMC 902130
(65 Min., 10/2011)

Zum dritten Mal tritt das „All-Star-Quartett“ aus Marlis Petersen, Anke Vondung (bzw. Stella Doufexis), Werner Güra und Konrad Jarnot mit einem Ensemble-Programm in Erscheinung. Nach Brahms‘ „Liebesliederwalzern“ und Schumanns „Spanischen Liedern“ ist nun Franz Schubert mit Liedern und Vokalensembles das Thema – ein Repertoire, das (wie Beiheftautor Roman Hinke kritisch anmerkt) beliebte Schubert-Klischees auf den Plan ruft. Dass man Schuberts Ensemblenummern indes kaum über einen Kamm scheren kann, beweist allein schon die große stilistische Spannweite zwischen dem ebenso launigen wie extravertierten Quartett „Der Hochzeitsbraten“ und dem innigen Duett „Licht und Liebe“. Beide sind, wie auch die anderen Ensemblestücke Schuberts, selten zu hören – wohl einfach deshalb, weil man sich im Konzertleben gewöhnlich auf sängerisch einfach besetzte Liederabende konzentriert. Umso dankenswerter die vorliegende Mixtur aus Soli und Quartetten nebst je einem Duett und Terzett und Quartett.
Sängerisch gesehen ist hocherfreulich, dass Konrad Jarnot seinen Hang zum Brüllen, der wohl beinahe seine prachtvolle Stimme ruiniert hätte, mittlerweile zu zügeln versteht: Die zum Protzen animierende „Allmacht“ von Pyrker fällt weit dezenter aus als erwartet. Keine Sorgen muss man sich um die urgesunde Marlis Petersen machen: Sie verfügt über ein breites vokales Ausdrucksspektrum und kann sich zu großer Intensität steigern, ohne dabei aufdringlich zu werden, wie sie in „Delphine“ beweist. Werner Güra und Anke Vondung verstehen durch lyrischen Schmelz und berückendes Timbre zu punkten, bei Güra kommt eine außergewöhnlich ungezwungene Nähe zur Sprache hinzu. Besonders erfreulich ist aber, dass man diese durchaus individuell gepolten Solisten ohne weiteres im Ensemble genießen kann, weil jeder sich entsprechend zurückzunehmen versteht. Das klang in der vorigen Sängergeneration (man denke an Mathis, Fassbaender, Schreier und Fi-Di mit ihren für heutige Ohren kaum zu ertragenden Liebeslieder-Walzern) noch ganz anders. Irgendwie, so könnte man meinen, zieht das Alte-Musik-Ideal doch weite Kreise – immerhin spielt Christoph Berner auf dieser CD auch ein zeittypisches Fortepiano statt dem sonst allzu üblichen Steinway.

Michael Wersin, 18.05.2013



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