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Wolfgang Amadeus Mozart

Così fan tutte

Véronique Gens, Bernarda Fink, Werner Güra u.a., Kölner Kammerchor, Concerto Köln, René Jacobs

HMF/Helikon HMC 951663.65
(183 Min.) 4 CDs, mit 1 CD-RROM

Wenn der “Don Giovanni” eine tragische Komödie ist, dann könnte man “Così fan tutte”, Mozarts letzte italienische Oper, als komische Tragödie bezeichnen. Denn Mozart hat mit seiner tiefgründigen musikalischen Charakterisierung ein halbes Dutzend blasser Buffa-Typen zu fast tragischen Individuen aufgewertet. Diese psychologische Vertiefung, diese Vermenschlichung der Figuren aber wird in René Jacobs’ erster Mozart-Produktion einem radikalhistorischen Ansatz geopfert, der sich mit der Rekonstruktion eines vordergründig quirligen und unerhört rasanten Buffa-Aktionismus begnügt.
Dass sich für eine solche nur mit schroffen, diskontinuierlichen Gesten und Überraschungseffekten operierenden Radikalkur das nicht gerade zart besaitete Sturm-und-Drang-Orchester aus Köln besonders eignet, ist keine Frage: Schon in den Anfangstakten der Ouvertüre, die Jacobs gnadenlos im Takt durchschlägt, ahnt man, wie unbequem und angriffslustig er dieses niederträchtige Anti-Frauen-Stück uns um die Ohren schlagen will, und daß er mit Mozartscher Ätherik wenig im Sinn hat. Freilich schießt Jacobs über sein Ziel hinaus und degradiert das jugendliche Vokal-Sextett fast zu instrumentalem Beiwerk, zu atemlosen Stimmakrobaten im Strudel des allzu flüchtigen Lebenspulses. Auf diese Weise gerät die eigentliche von Mozart intendierte Dialektik von bitterböser Maskerade und großen schmerzlichen Augenblicken in den Mahlstrom äußerlicher Alltagshektik.
Dabei hätte Jacobs an den Ruhepunkten das ohnehin eher verhaltene Ausdrucks-Bedürfnis seiner Solisten nur ein wenig beflügeln müssen, um auch die dritte und entscheidende Seelendimension Mozarts aufzuspannen und uns die tief rätselhafte Aura seiner Musik, ihre unergründliche Menschlichkeit, spüren zu lassen. Am besten gefällt mir die beigefügte CD-ROM, die dem Mozart-besessenen Computerbesitzer in sieben Kapiteln endlich die interaktive Kommunikation mit seinem Idol gestattet.

Attila Csampai, 28.02.1999



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