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Franz von Suppé

Ouvertüren und Märsche

Neeme Järvi, Royal Scottish National Orchestra

Chandos/Note 1 CHSA 5110
(78 Min., 4/2012) SACD

Auf eine Wiederbelebung der Erfolgsoperetten Franz von Suppés werden wir wohl noch eine Weile warten müssen, aber auch seinen Ouvertüren tut es gut, wenn sie einmal wieder frisch abgestaubt und nicht nur denjenigen überlassen werden, die mit Loriots Opa Hoppenstedt der Meinung sind, dass früher mehr Lametta war. Neeme Järvi ist für diese Aufgabe gut geeignet: Er verbindet eine natürliche Jovialität mit einem Schuss Selbstironie und schon diese Haltung verhindert, dass die auch hier zündenden Marschmelodien militaristisch ausgewalzt werden. Es sind aber vor allem die gerne unterbelichteten Mittelteile von Suppés Ouvertüren, die Järvi besonders interessieren: Von der frühen Operette „Ein Morgen, ein Mittag und ein Abend in Wien“ von 1844 über die weniger bekannte Introduktion zu „Isabella“ bis hin zum Spätwerk „Das Modell“ von 1895 sind diese verbindenden Passagen mit ihren oft leuchtend instrumentierten Holzbläserklängen stets fein und durchsichtig gestaltet. Kein Wunder, dass Järvi auch an den „Humoristischen Variationen“ über das Studentenlied „Was kommt dort von der Höh'?“ besonderen Gefallen findet.
Dass Suppé ein Sänger und auch dazu noch Schüler von Donizetti war, könnte der instrumental denkende Dirigent vielleicht noch etwas stärker betonen und leider geraten ausgerechnet in der bekannten Ouvertüre „Leichte Kavallerie“ die schnellen Streicherfiguren ein wenig gehetzt. Insgesamt überwiegt beim Hören jedoch die Freude über eine sauber sinfonisch gedachte Aufwertung des Instrumentalkomponisten Suppé – eine Freude, die durch die vergleichsweise ausführlichen und genauen Werkbeschreibungen im Beiheft noch gesteigert wird.

Carsten Niemann, 08.06.2013



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